DEUTSCHROCK-STAR CHARLY DAVIDSON:
"Ich bin weder ein brillanter Gitarrist oder Keyboarder noch kann ich gut singen"
Mit seiner Band BEGLEITUNG hat Davidson in den vergangenen zwei Jahrzehnten Musikgeschichte geschrieben. Im Interview mit AUDIO MAG spricht der 42-Jährige über Songwriting im Halbschlaf, ein Musical und seiner geplanten neuen Form der Rebellion: ein Album mit seinen größten Hits im Sound der Gregorianischen Chöre.
AUDIO MAG: Herr Davidson, Anfang der achtziger Jahren wurden Sie und Ihre Band mit subtilen literarischen Songs berühmt, dies zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle. Jetzt sind Sie jenseits der 40 und haben gerade ein Best-Of-Album ihrer größten Hits veröffentlicht. Fällt Ihnen nichts mehr ein?
Davidson: So ein Quatsch, der kreative Funke, der Lieder in meinen Kopf zaubert, ist heute noch derselbe wie zu meinen Teenager-Zeiten. Ein Best-Of-Album macht man für die Fans, nicht für sich. Mir fällt noch immer viel ein, zu Beispiel kann ich mir auch ein Charly-Davidson-Album vorstellen mit Hit-Versionen, die so weit wie nur möglich von den Originalen entfernt sind; vielleicht gesungen von einem Gregorianischen Chor.
AUDIO MAG: Langweilen Sie die Originalversionen?
Davidson: Im Gegenteil, ich liebe die Originale. Es war und ist nie meine Absicht gewesen, alte Platten oder Songs neu einzuspielen.
AUDIO MAG: Es heißt, Ihr früherer musikalischer Partner Lukas Linde plane so etwas. Was halten Sie von der Sache?
Davidson: Keine Ahnung, wir haben seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr.
AUDIO MAG: In den Achtzigern trennten Sie sich von ihm, weil er Ihrer musikalischen Linie nicht folgen wollte. Damals waren Sie allgemein sehr rebellisch. Sind Sie mit fortschreitendem Alter milde geworden?
Davidson: Im Gegenteil, ich bin immer noch ein Rebell, denn Rebellion ist der einzige Weg, um in der Musikindustrie, ja überhaupt in dieser Welt, zu überleben. Aber dummerweise ist Rebellion derzeit in Deutschland beinahe ausgestorben.
AUDIO MAG: Wie kommen Sie darauf?
Davidson: Ich habe bereits 1982 ein Lied über dieses Elend geschrieben namens "Es geht immer weiter". Und falls Sie mich fragen würden, weshalb, dann würde ich antworten: Weil ich eine Generation von stromlinienförmigen Hochschul-Absolventen bemerkte, Fachrichtung Germanist, die mich erschreckte. Als ich Mitte der Siebziger studierte, wollte jeder meiner Kommilitonen irgendwie radikal sein und mindestens eine kleine Revolution anzetteln. Aber mit Beginn der Achtziger ist aller Widerstand bei der Jugend verpufft. Ich habe den Eindruck, dass die Studenten heutzutage vor allem wild darauf sind, nicht aufzufallen, um möglichst schnell in einem großen Konzern unterzukommen. Es gab mal ein Schimpfwort namens „Yuppie“, das heute das Standardziel der Studenten zu sein scheint. Rebellen sind gegen Ende des alten Jahrtausends wohl uncool.
AUDIO MAG: Sie haben mal zu Protokoll gegeben, dass Sie niemals gegen ihre Eltern aufbegehrt hätten. Das klingt auch nicht wirklich aufrührerisch.
Davidson: Gegen was hätte ich denn da rebellieren sollen? Meine Eltern waren sehr hart arbeitende Menschen, zuerst nach Wales ausgewandert und dann wieder ins Nachkriegsdeutschland zurückgekehrt, die also zwei Mal neu von vorne anfangen mussten und trotzdem alles für mich und meine Schwester gaben. Ich wollte ihnen lieber mit meiner Musik, mit meinen Erfolgen Freude bereiten, als dass ich sie stressen wollte. Natürlich hasste ich meine Eltern ab und zu mal, aber das tut doch jeder normale Jugendliche.
AUDIO MAG: Was hielten Ihre Eltern von Ihrer Zeit als Politrock-Sänger?
Davidson: Meine Mutter mochte meine Lieder, mein Vater war eher weniger interessiert. Er hat verfügt, dass zu seiner Beerdigung nur ein Lied gespielt werden soll, machte aber ein Geheimnis daraus, welches. Ich erwartete natürlich eines von mir, aber vor kurzem erzählte er, dass er sich für „Immer wieder geht die Sonne auf“ von Udo Jürgens entschieden hat. Er ist eben ein eigenwilliger Mann.
AUDIO MAG: Sie sind mit Ihrer Mutter und ihrer Schwester aufgewachsen und haben selbst zwei Töchter. Was haben Sie dabei über Frauen gelernt?
Davidson: Meine Ehefrau behauptet, dass ich ein Mann sei, der sich von Frauen kontrollieren lässt. Ich halte dies für ein Missverständnis. Ich liebe es, unter Männern zu sein, so wie in einer Fußballmannschaft oder in einer Rockband. All die vielen Frauen in meiner Familie hat mir der Zufall zugespielt. Deswegen verstehe ich das weibliche Geschlecht noch lange nicht besser. Was ich akzeptiert habe, ist, dass Frauen mir rätselhaft sind. Männer und Frauen sind so unterschiedlich wie Apple- und Nicht-Apple-Computer.
AUDIO MAG: Immerhin verstand sie Ihre Mutter so gut, dass sie Ihnen Ihre erste Gitarre schenkte.
Davidson: Stimmt. Zu meinem 13. Geburtstag bekam ich von ihr eine spanische Gitarre - am selben Tag wäre sie fast gestorben. Sie hatte einen Herzfehler und immer wieder bekam sie zu hören, dass sie sich schonen solle. An meinem Geburtstag beschloss sie, dass sie nun genug Rücksicht in ihrem Leben genommen habe und fing an zu tanzen. Sie tanzte so ausgelassen, wirbelte herum bis sie umfiel. Klingt zwar traurig, aber sie hat es überlebt und ich fand es sehr romantisch. Selbst wenn sie gestorben wäre, dann wäre sie tanzend gestorben und das, weil sie es so wollte.
AUDIO MAG: Klingt wie eine Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald.
Davidson: Absolut. Mein Leben bietet unendlich viel Fitzgerald-Kurzgeschichten-Stoff. Daraus webe ich meine Texte.
AUDIO MAG: Was haben Sie sich davon versprochen, in einer Rockband zu spielen?
Davidson: Freunde zu finden, bei denen, mit denen ich mich wohlfühlte. Es geht bei Folkmusik, meiner ersten großen musikalischen Liebe, wie auch im Rock'n'Roll, um Einheit. Viele der besten Bands bestehen nicht unbedingt aus virtuosen Musikern, aber als Einheit sind sie eine Macht, weil sie einander unterstützen. In Jazz- und Blues-Bands duellieren sich Einzelgänger, in guten Rock'n'Roll-Bands verfügt man über ein Team, das funktioniert. Bob Dylan und die BAND funktionierten so. Das Zusammenspiel von Robertsen und Dylan, das war Synergie, war einzigartig. Bob Dylan entdeckte die Band als sie noch LEVON AND THE HAWKS hießen und ging mit ihr als seiner BAND auf Tour. Bei mir war das ähnlich. Ich war 1976 kein auffällig guter Gitarrist, aber gemeinsam mit Musikern des Musikclubs Schlachthofs als CHARLY DAVIDSON AND FRIENDS, waren wir toll, weil wir kommunizierten.
AUDIO MAG: Klingt gut, passt aber nicht zu Legenden über die wilden Zeiten des Rock'n'Roll.
Davidson: Spannungen gehören zur Kreativität. Ich verstehe das wörtlich: Ohne Strom droht in jeder Musik die große Ödnis. Einige meiner besten Platten sind aus purer Anspannung heraus entstanden, so wie „ZEICHENSPRACHE“. Herrlich brutale Stücke Musik sind bei mir unter Spannung entstanden. Ich liebe das, denn ich denke: Rockbands sind wie Fußballmannschaften. Auch große Fußballteams kultivieren Aggressivität. Jupp Heynkes ist zum Beispiel ein Meister darin, vor einem Spiel Anspannung zu erzeugen. Seine Mannschaften müssen immer unter Strom aufs Spielfeld laufen, damit sie das Beste aus sich hervorbringen. Robert Enke hat er als Torwart zum Mannschaftskapitän von Benfica Lissabon gemacht; Robert Enke, den ich noch vor ein paar Jahren in Jena beim FC Carl Zeiss im Tor habe stehen sehen.
AUDIO MAG: Stimmt es, dass Sie eigentlich Fußballer werden wollten?
Davidson: Das war ein sehr großer Traum, als ich vierzehn, fünfzehn Jahre alt war, ja. Ich habe damals nachmittags Schulunterricht geschwänzt um auf der Rosenhöhe Fußball zu spielen, habe Freistöße geübt. In den Spielen klappte das dann recht gut und ich musste immer die Freistöße treten und habe viele direkt verwandelt. Aber leider hatte ich weniger Talent in den anderen Dingen des Fußballs. Ich wollte immer im Mittelpunkt stehen, Günter Netzer sein. Ich war auch Schulsprecher, eben ein Typ, der gerne den Ton angibt. Aber leider fußballerisch zu unfertig.
AUDIO MAG: Was wäre Ihr Traumteam gewesen? München, Mönchengladbach?
Davidson: Gott bewahre. Noch nicht einmal Kickers Offenbach, obwohl ich bei vielen Spielen im Stadion war. Nein, ich hatte immer nur die Nationalelf im Kopf. Das meine ich ernst. Mein Traum war im zentralen Mittelfeld: verteidigen, kontrollieren, austeilen.
AUDIO MAG: Wie sah das musikalisch instrumental aus? Sie sagten gerade über die Zeit um 1976, dass sie kein auffällig guter Gitarrist waren.
Davidson: Also, das ist doch keine Frage: Ich bin weder ein brillanter Gitarrist oder Keyboarder noch kann ich gut singen. Ich habe einiges an musikalischen Ideen in meinem Kopf, die ich teils mit meinen eigenen Worten kombiniere, teil instrumental umsetze und das im Rahmen meiner Fähigkeiten, die ich mit denen von anderen Musikern anreichere.
AUDIO MAG: Viele Ihrer Liedtexte sind bestimmt von präzisen Beobachtungen des Alltags. Woher nehmen Sie die Details?
Davidson: Ich habe meistens ein Notizbuch bei mir, ein Kladde, aber absurderweise schreibe ich da gar nicht viel rein. Das meiste, was mir so auf- und einfällt, speichere ich in meinem Kopf ab. Ein Lied wie „Die Geschichten der Geschichten“ habe ich einst zum Beispiel in wenigen Minuten in die Schreibmaschine getippt. Fragen Sie mich nicht, woher es kam. Damals war ich jung und wagemutig. Je älter man wird, desto mehr wägt man ab, was man schreibt. In mir trage ich einen gewaltigen Vorrat an Erinnerungen und Eindrücken. Hätte ich die Pflicht, innerhalb einer Woche ein Album schrieben zu müssen, könnte ich damit sofort anfangen, indem ich meine inneren und aufgeschriebenen Notizen abrufe.
AUDIO MAG: Haben Sie die Texte für Ihr Meisterstück, das Konzeptalbum „INKAR-NATION“, das voll von detaillierten Beobachtungen des deutschen Alltags ist, auch aus dem Gedächtnis verfasst?
Davidson: Nun ... ja, das meiste. Die Inspiration für „Arglistige Enttäuschung“ war zum Beispiel ein Kindheitsfreund. Solche Lieder schreiben sich wie von selbst. Ich habe von Anfang an den Alltag als Thema meiner Texte bevorzugt. Lieder über ganz normale Menschen ohne Glamourfaktor. Letztes Jahr kam „Brauni“, ein nach Australien ausgewanderter Jugendfreund von mir, zu Besuch. Ich fuhr sofort mit dem Zug nach Offenbach und dann fuhren wir einen Nachmittag lang auf Fahrrädern durch die Straßen von Offenbach. Am Ende waren wir beide sehr melancholisch, weil alle Menschen von früher weg sind. Nur die Häuser, in denen sie einst lebten, sind geblieben.
AUDIO MAG: Sind viele Ihrer Lieder autobiografisch?
Davidson: Das hätte ich früher abgestritten, aber so langsam wird mir klar, dass das wohl so sein könnte. Dass es in einem Lied wie „Odysseus“ vor allem um mich geht, wurde mir erst spät bewusst, habe dann meine Alben gezielt noch einmal angehört und muss sagen: ich habe aus meinen Liedern viel über mich gelernt.
AUDIO MAG: Wie schreiben Sie? Warten Sie auf Inspiration oder haben Sie feste Arbeitszeiten?
Davidson: Ich komme nahezu jeden Tag in eines meiner Studios und arbeite dann bis in die Nacht. Wenn ich erst mal an einem Projekt dran bin, fällt es mir schwer, später abzuschalten. Auch in der vergangenen Nacht konnte ich kaum schlafen und lag bis drei Uhr morgens wach. Dann bin ich wieder aufgestanden und habe weitergemacht. Nachts habe ich eigentlich schon immer die besten Sachen geschrieben. Dann träume ich noch irgendwie benebelt vor mich hin und gerate nicht in Versuchung, irgendetwas zu analysieren. Einen großen Wunsch schiebe ich aber schon seit Jahren vor mir her, und zwar den ein Musical zu schrieben
AUDIO MAG: Wie steht es mit Ihrem Image als Frauenversteher? Immer noch kaufen mehr Frauen Ihre Alben als Männer.
Davidson: Ist das so? Es ist auf jeden Fall erstaunlich, wie viele Damen sich heute trauen, mich anzusprechen. Das war früher anders. So was ist einerseits bewegend und gibt mir eine Bestätigung, dass ich als Künstler existiere. Andererseits ...
AUDIO MAG: Ja?
Davidson: ... wenn es nur um Unterhaltungen geht und ich Zeit habe, ist das Ganze kein Problem. Früher hielt ich es schon mit Jopi Heesters: „Man müsste Klavier spielen können, dann hat man Erfolg bei den Frau'n“. Das das ist lange her. Heute bin ich beinahe zwei Jahrzehnte glücklich verheiratet.
Das Interview führte Heiner Jessen © 2000 für AUDIO MAG - Nachdruck mit Genehmigung der Redaktion.
Sonntag, 3. Januar 2010
Donnerstag, 24. Dezember 2009
2009-12-24 | Müller hat sich getraut
(Berlin) - Die Braut trug ein bodenlanges blassblaues Kleid, der Bräutigam einen grauen Anzug und silberfarbene Krawatte. Am Tag vor Heiligabend heiratete der ehemalige Superminister Ulrich D. Müller (66) seine Lebensgefährtin, die Medienexpertin Prof. Dr. Ursula Maus (52). Das Paar ließ sich in Berlin Spandau standesamtlich trauen. Für Ursula Maus - nun Ursula Müller, weshalb sie ihre Initialen 'U.M.' beibehalten kann - ist es die vierte Ehe, für Müller die dritte.Es ist 11.30 Uhr am Mittwoch, als das Paar im dunkelblauen BMW X 6 vor dem Hintereingang vorfährt. Der Himmel ist bedeckt, es herrscht leichter Schneeregen. Der Bräutigam geht schnellen Schrittes, lächelt. Die Braut hat ihr rot-braunes Haar zurückgesteckt, die Lippen mit Lippenstift betont. Ihr Kleid ist vorn gerafft, verdeckt einen Tüllunterrock, über den Schultern trägt sie ein dunkelblaues Cape.
Danach trudeln die ersten Gäste ein: Verwandte, Freunde, ehemalige Genossen (Müller war im letzten Jahr aus der SPD ausgetreten), nur der engste Kreis, etwa 30 bis 40 Leute. Aber auch Müllers Tochter Hildegard (46) mit ihrem Mann ist dabei.
Um 12.00 ist es so weit, die Hochzeit beginnt mit einem Sekt- Empfang, ein Cellist sorgt für den festlichen Rahmen. Dann, 10 Minuten später, die Trauung: Trauzeuginnen sind Doreen, jüngste Tochter der Braut, und Peter Herzog, engster Vertrauter von Ulrich D. Müller.
Die goldenen Eheringe werden getauscht, jeder trägt seinen an der rechten Hand. Schon nach 15 Minuten ist der standesamtliche Teil vorbei und Ursula Maus ist offiziell Frau Müller. Nun wird auf Wunsch der Braut Tee serviert, dazu legt DJ Wandlitz Musik aus DDR-Jahren auf; Ursula Müller ist gebürtige Osttdeutsche. Dann, etwa gegen 13.00 Uhr macht sich die Hochzeitsgesellschaft auf zum Dachgartenrestaurant von Feinkost Käfer im Reichstag, Motto: "Genuss ohne Reue".
Inmitten vieler Gäste aus Wirtschaft und Medienlandschaft, tanzt Ulrich Müller mit seiner Frau gegen 15.00 Uhr den Hochzeitswalzer im eigens errichteten Partyzelt. "Wir versprechen hoch und heilig, wir werden uns jetzt für immer lieben", sagt er anschließend in einer kleinen Ansprache. "Ulrich und Ursula, die beiden 'U's sind wirklich total verliebt und glücklich", erzählt Trauzeuge Herzog.
Bis in den Abend tanzen und feiern die Gäste, dazu gibt es das Hochzeitsmahl. Zu den Speisen gehören neben anderen Leckereien: Angebratenes Jacobsmuschel Sashimi mit Mangold und Rindfleischtatar, Black Tiger Garnele und grüne Papaya in roter Currysauce, Zitronengras-Ingwer Crème Brûlée.
Urich und Ursula Müller - es ist eine Hochzeit, über die oft und viel spekuliert wurde, mit der aber kaum jemand so schnell gerechnet hat. Im letzten Jahr war Ursulas letzter Ehemann, der Musiker Charly Davidson, bei einem Unfall tödlich verunglückt. Ulrich D. Müller hatte sich erst in diesem November von seiner Frau Petra Ehrhardt scheiden lassen. Letzte Woche verdichteten sich dann Gerüchte, wonach es doch eine Hochzeit geben könnte, sogar noch vor Weihnachten. Angekündigt hat das Paar, dass es über die Feiertage im "Twelve Apostels Hotel" in Südafrika flittern wird, in einer der schönsten Umgebungen der Welt und nur 12 Minuten vom Zentrum Kapstadts entfernt; Kosten pro Person im Doppelzimmer ab 3.462 €.
Quelle: NIVEAU-Magazin © 2009-12-24
Donnerstag, 17. Dezember 2009
2009-12-17 | Müller und Maus: Hochzeit noch vor Weihnachten?
In Bonn verdichten sich Gerüchte, dass der im November von seiner Frau Petra Ehrhardt geschiedene Ex-SPD-Superminister Ulrich D. Müller noch vor Weihnachten seine Lebengefährtin, die Professorin für Kommunikation und frühere Ehefrau des verstorbenen Musikers Charly Davidson, Ursula Maus, heiraten will. Beide haben im August mit "MnM" eine gemeinsame Medienfirma gegründet, die vor allem Politiker medientechnisch beraten will.
Bisher hatten Müller und Maus davon gesprochen, dass sie keine weitere Eheschließung wünschen; Maus war bereits drei Mal verheiratet, Müller bisher zwei Mal.
Bisher hatten Müller und Maus davon gesprochen, dass sie keine weitere Eheschließung wünschen; Maus war bereits drei Mal verheiratet, Müller bisher zwei Mal.
Dienstag, 17. November 2009
2009-11-17 | Ulrich D. Müller und Petra Ehrhardt geschieden!
Aus der ZEITUNG von heute:
Nachdem vor kurzem Ulrich D. Müllers Parteiaustritt vom Juli 2008 in ein neues Licht getaucht worden war, wobei Gerüchten nach eine Beziehung Müllers zur Medienexpertin und Professorin Ursula Maus eine große Rolle gespielt haben soll, was aber alles dementiert worden war.
Nun sind Ulrich Müller seine Ehefrau Petra Ehrhardt, die auch nach Müllers Austritt aus der SPD weiter familienpolitische Sprecherin der SPD in NRW ist, geschiedene Leute. Lange hatte es in der Beziehung gekriselt und beiden haben nun daraus die Kosequenz gezogen. Während Ehrhardt betonte, sie woll in nächster Zeit erst eimal Zeit für sich haben, sind ihr Ex und Ursula Maus, Kommunikationsexpertin und Ex-Frau des verstorbenen Musikers Chary Davidson, schon eit einiger Zeit ein Paar. Bei hatten sich offiziell erst im Sommer 2008 kennen gelernt, er ließ sich von ihr coachen, beide verliebten sich und leben seither zusammen.
Heiraten will er seine Ursula aber dennoch nicht. "Das ist ganz gut so, wie es ist. Man kann auch ohne Trauschein glücklich zusammen leben", antwortete Müller gestern auf entsprechende Journalistenfragen.
Nachdem vor kurzem Ulrich D. Müllers Parteiaustritt vom Juli 2008 in ein neues Licht getaucht worden war, wobei Gerüchten nach eine Beziehung Müllers zur Medienexpertin und Professorin Ursula Maus eine große Rolle gespielt haben soll, was aber alles dementiert worden war.
Nun sind Ulrich Müller seine Ehefrau Petra Ehrhardt, die auch nach Müllers Austritt aus der SPD weiter familienpolitische Sprecherin der SPD in NRW ist, geschiedene Leute. Lange hatte es in der Beziehung gekriselt und beiden haben nun daraus die Kosequenz gezogen. Während Ehrhardt betonte, sie woll in nächster Zeit erst eimal Zeit für sich haben, sind ihr Ex und Ursula Maus, Kommunikationsexpertin und Ex-Frau des verstorbenen Musikers Chary Davidson, schon eit einiger Zeit ein Paar. Bei hatten sich offiziell erst im Sommer 2008 kennen gelernt, er ließ sich von ihr coachen, beide verliebten sich und leben seither zusammen.
Heiraten will er seine Ursula aber dennoch nicht. "Das ist ganz gut so, wie es ist. Man kann auch ohne Trauschein glücklich zusammen leben", antwortete Müller gestern auf entsprechende Journalistenfragen.
Mittwoch, 11. November 2009
2004-11-10 | Charly Davidson: Ich hasse Plattenfirmen und setze trotzdem auf sie
Er war einer der erfolgreichsten populären Musikkünstler Deutschlands: Charly Davidson, der es sogar schaffte unter seinem wahren Namen Karl David Korff weltweit für Furore zu sorgen, als er 1988 die "Lounge Musik" erfand. In einem METRO-ONLINE-Interview sprach er vor genau fünf Jahren über die Musikindustrie, das Internet und die Überlebenschancen einer Branche.
METRO-ONLINE: Sie sagten kürzlich, in Zeiten von Apples iTunes und Einzel-Downloads habe sich das Konzept des Popalbums überholt. Heißt das, Ihre letzte CD "wissen-schafft-macht" ist das letzte Album, das sie veröffentlicht haben?
ChD: Es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich Musik veröffentliche, falls Sie das meinen. Aber es wird vermutlich das letzte meiner Konzept-Alben sein. Ich kämpfe darum, dass ich auch in Zukunft noch Album-Konzepte erfolgreich veröffentlichen kann, aber ich denke, dass dies mit dem ganzen aufkommenden Download-Hype immer schwerer werden wird, Konzepte an die Hörer weiter zu transportieren. Bald werden sich Musikfans aus allen Platten eines Künstlers ein "Best-Of" selbst zusammenstellen, dieses immer wieder editieren, dafür aber keine Alben mehr kaufen.
METRO-ONLINE: Und dann?
ChD: Dann muss man sich ansehen, wie es um die Plattenindustrie bestellt ist. Seit zwei, drei Jahren gab es hier jedes Jahr einen Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent bei den Tonträgerverkäufen. Wenn man, wie ich, frei produziert landet man irgendwann im Minusbereich.
METRO-ONLINE: Werden es andere erfolgreiche Künstler Ihnen nachmachen und sich von der Plattenfirma lösen, um ihre Musik in Eigenregie herauszubringen? Vielleicht mit Unterstützung von Investorengruppen oder Anlegern?
ChD: Das denke ich nicht. Im Moment sehen viele diese Notwendigkeit, frei arbeiten zu können, nicht.
METRO-ONLINE: Also bleiben diese Künstler und Bands der Plattenindustrie treu - und streben dann mit ihr dem Abgrund entgegen?
ChD: Würde ich wetten, dann würde ich mein Geld trotzdem auf die Plattenfirmen setzen. Ich hasse sie, das will ich hier einmal pauschal aber deutlich sagen - ich hasse sie, weil sie in der Vergangenheit viele große Künstler und Legenden künstlerisch wie geschäftlich vergewaltigt haben. Es ist doch nicht zu betreiten, dass die Musikindustrie in ihrer Historie viel Mist gebaut hat. Aber ich sehe natürlich auch, wie viele gute Dinge durch die Plattenfirmen entstehen konnten, die unser Leben bereichert haben und noch bereichern. Michael Jackson oder die BEATLES wären ohne Plattenindustrie niemals das geworden, was sie den Menschen heute bedeuten. Also sehe ich nicht, wer zukünftige Idole aufbauen und entwickeln soll, wenn nicht die Musikindustrie.
METRO-ONLINE: Können das die Bands und Künstler nicht eigentlich auch selbst machen? Es gibt im Internet doch Darstellungsmöglichkeiten ...
ChD: ... die alle großer Mist sind. Ich habe mir jetzt einmal MySpace* angesehen, die neue große Hoffnung aus den USA. Und was sehe ich: im Internet entstehen keine Stars, keine Idole. Um das zu gewichten vergleiche ich das Internet mit der Rolle des Radios in der Nachkriegszeit: in Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den USA führte das Radio Ende der 40er- bis Mitte der 60er- Jahre zu einem Boom der Plattenfirmen. Führen Sie sich vor Augen, was allein in diesen zwei Jahrzehnten alles entstanden und gediehen ist: Jazz und Soulmusik, Rock 'n' Roll und Rockmusik. Ich sehe nicht, dass das Internet so etwas schaffen kann. Und deshalb setze ich nach wie vor auf die Plattenindustrie - grundsätzlich. Für mich persönlich habe ich die Sache dadurch gelöst, dass ich nun meine eigene Plattenfirma habe.
METRO-ONLINE: Was ist denn Ihrer Meinung nach die Hauptaufgabe eines Labels?
ChD: Bei einem Musiklabel geht um das Kuratieren von Musik, um die Entwicklung, die Formung und Betreuung von Künstlern. Nochmal: im ganzen, weiten Internet gibt es keine Abteilung, die das im gleichen Maße leisten kann.
METRO-ONLINE: Sicher nicht. Aber dennoch bietet das Internet im Prinzip jedem Künstler die Möglichkeit, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, auf eigene Faust berühmt zu werden.
ChD: Wie Sie sagten: im Prinzip. Schauen Sie, ich könnte jetzt alle Leute anrufen, die ich persönlich kenne, und das dürften so an die 1000 sein, viele, wenn nicht sogar die meisten, aus der Musikbranche. Also angenommen ich rufe die alle an und erzähle ihnen: "Ihr kennt doch meine eigene Plattenfirma, die hat einige supergute Künstler", erzähle denen welche es sind, berichte Ihnen und anderen Journalisten darüber und die Zeitungen und Magazine schreiben es dann, das könnte funktionieren. Aber das bin ich, Charly Davidson. Mit meinem Namen erreiche ich sehr schnell eine große Anzahl von Menschen, die damit etwas anfangen können und sagen: "Der hat eben ein Näschen für Talente". Aber das heißt doch nicht, dass der Musiker da unten auf der Straße über das Internet dasselbe machen kann. Wer weiß denn schon als Internetnutzer, wo er die Talente finden soll. Es fehlt hier sehr die Fokussierung.
METRO-ONLINE: Was meinen Sie damit?
ChD: Ganz einfach: Warum bin ich als gut Englisch sprechender Deutscher mit "Lounge Musik" erfolgreich geworden? Weil es Instrumentalmusik ist. Als Deutsch-Rock-Musiker kann ich in Japan keinen Erfolg haben oder in Südamerika. Erst wenn es ihm möglich ist, weltweit Märkte zu öffnen, kann ein Künstler auf eigene Faust überregionalen Erfolg haben. Plattenlabel sind mit ihren Dependancen und den Vertriebsfirmen vor Ort vernetzt; durch diese Allianz - und den Zugriff auf die jeweils lokalen Medien in Japan oder Südaerika oder sonstwo - sind sie in der Lage, Künstler weltweit zu vermarkten. Mein Computer, mein Telefon und meine Internetseite allein bringt mich nicht nach Mumbai, um dort vor Tausenden von Leuten aufzutreten.
METRO-ONLINE: Vielen Dank für das Interview.
Das Interview führte Martin Rosenheinrich © 2004 für das METRO-ONLINE MUSIKMAGAZIN
----------
Anmerkung: Das Interview wurde im Herbst 2004 geführt. Ursprünglich war MySpace.com ein Anbieter für kostenlose Datenspeicherung im Internet. Erst im Juli 2003 gründete sich die Community unter der gleichen Internetadresse; hierauf bezog sich Davidson wohl. Das Unternehmen wurde jedoch im Juli 2005 vom Medienmogul Rupert Murdoch für 580 Millionen US-Dollar gekauft. MySpace hatte nur zwei Jahre später etwa 180 Millionen Mitglieder.
METRO-ONLINE: Sie sagten kürzlich, in Zeiten von Apples iTunes und Einzel-Downloads habe sich das Konzept des Popalbums überholt. Heißt das, Ihre letzte CD "wissen-schafft-macht" ist das letzte Album, das sie veröffentlicht haben?
ChD: Es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich Musik veröffentliche, falls Sie das meinen. Aber es wird vermutlich das letzte meiner Konzept-Alben sein. Ich kämpfe darum, dass ich auch in Zukunft noch Album-Konzepte erfolgreich veröffentlichen kann, aber ich denke, dass dies mit dem ganzen aufkommenden Download-Hype immer schwerer werden wird, Konzepte an die Hörer weiter zu transportieren. Bald werden sich Musikfans aus allen Platten eines Künstlers ein "Best-Of" selbst zusammenstellen, dieses immer wieder editieren, dafür aber keine Alben mehr kaufen.
METRO-ONLINE: Und dann?
ChD: Dann muss man sich ansehen, wie es um die Plattenindustrie bestellt ist. Seit zwei, drei Jahren gab es hier jedes Jahr einen Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent bei den Tonträgerverkäufen. Wenn man, wie ich, frei produziert landet man irgendwann im Minusbereich.
METRO-ONLINE: Werden es andere erfolgreiche Künstler Ihnen nachmachen und sich von der Plattenfirma lösen, um ihre Musik in Eigenregie herauszubringen? Vielleicht mit Unterstützung von Investorengruppen oder Anlegern?
ChD: Das denke ich nicht. Im Moment sehen viele diese Notwendigkeit, frei arbeiten zu können, nicht.
METRO-ONLINE: Also bleiben diese Künstler und Bands der Plattenindustrie treu - und streben dann mit ihr dem Abgrund entgegen?
ChD: Würde ich wetten, dann würde ich mein Geld trotzdem auf die Plattenfirmen setzen. Ich hasse sie, das will ich hier einmal pauschal aber deutlich sagen - ich hasse sie, weil sie in der Vergangenheit viele große Künstler und Legenden künstlerisch wie geschäftlich vergewaltigt haben. Es ist doch nicht zu betreiten, dass die Musikindustrie in ihrer Historie viel Mist gebaut hat. Aber ich sehe natürlich auch, wie viele gute Dinge durch die Plattenfirmen entstehen konnten, die unser Leben bereichert haben und noch bereichern. Michael Jackson oder die BEATLES wären ohne Plattenindustrie niemals das geworden, was sie den Menschen heute bedeuten. Also sehe ich nicht, wer zukünftige Idole aufbauen und entwickeln soll, wenn nicht die Musikindustrie.
METRO-ONLINE: Können das die Bands und Künstler nicht eigentlich auch selbst machen? Es gibt im Internet doch Darstellungsmöglichkeiten ...
ChD: ... die alle großer Mist sind. Ich habe mir jetzt einmal MySpace* angesehen, die neue große Hoffnung aus den USA. Und was sehe ich: im Internet entstehen keine Stars, keine Idole. Um das zu gewichten vergleiche ich das Internet mit der Rolle des Radios in der Nachkriegszeit: in Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den USA führte das Radio Ende der 40er- bis Mitte der 60er- Jahre zu einem Boom der Plattenfirmen. Führen Sie sich vor Augen, was allein in diesen zwei Jahrzehnten alles entstanden und gediehen ist: Jazz und Soulmusik, Rock 'n' Roll und Rockmusik. Ich sehe nicht, dass das Internet so etwas schaffen kann. Und deshalb setze ich nach wie vor auf die Plattenindustrie - grundsätzlich. Für mich persönlich habe ich die Sache dadurch gelöst, dass ich nun meine eigene Plattenfirma habe.
METRO-ONLINE: Was ist denn Ihrer Meinung nach die Hauptaufgabe eines Labels?
ChD: Bei einem Musiklabel geht um das Kuratieren von Musik, um die Entwicklung, die Formung und Betreuung von Künstlern. Nochmal: im ganzen, weiten Internet gibt es keine Abteilung, die das im gleichen Maße leisten kann.
METRO-ONLINE: Sicher nicht. Aber dennoch bietet das Internet im Prinzip jedem Künstler die Möglichkeit, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, auf eigene Faust berühmt zu werden.
ChD: Wie Sie sagten: im Prinzip. Schauen Sie, ich könnte jetzt alle Leute anrufen, die ich persönlich kenne, und das dürften so an die 1000 sein, viele, wenn nicht sogar die meisten, aus der Musikbranche. Also angenommen ich rufe die alle an und erzähle ihnen: "Ihr kennt doch meine eigene Plattenfirma, die hat einige supergute Künstler", erzähle denen welche es sind, berichte Ihnen und anderen Journalisten darüber und die Zeitungen und Magazine schreiben es dann, das könnte funktionieren. Aber das bin ich, Charly Davidson. Mit meinem Namen erreiche ich sehr schnell eine große Anzahl von Menschen, die damit etwas anfangen können und sagen: "Der hat eben ein Näschen für Talente". Aber das heißt doch nicht, dass der Musiker da unten auf der Straße über das Internet dasselbe machen kann. Wer weiß denn schon als Internetnutzer, wo er die Talente finden soll. Es fehlt hier sehr die Fokussierung.
METRO-ONLINE: Was meinen Sie damit?
ChD: Ganz einfach: Warum bin ich als gut Englisch sprechender Deutscher mit "Lounge Musik" erfolgreich geworden? Weil es Instrumentalmusik ist. Als Deutsch-Rock-Musiker kann ich in Japan keinen Erfolg haben oder in Südamerika. Erst wenn es ihm möglich ist, weltweit Märkte zu öffnen, kann ein Künstler auf eigene Faust überregionalen Erfolg haben. Plattenlabel sind mit ihren Dependancen und den Vertriebsfirmen vor Ort vernetzt; durch diese Allianz - und den Zugriff auf die jeweils lokalen Medien in Japan oder Südaerika oder sonstwo - sind sie in der Lage, Künstler weltweit zu vermarkten. Mein Computer, mein Telefon und meine Internetseite allein bringt mich nicht nach Mumbai, um dort vor Tausenden von Leuten aufzutreten.
METRO-ONLINE: Vielen Dank für das Interview.
Das Interview führte Martin Rosenheinrich © 2004 für das METRO-ONLINE MUSIKMAGAZIN
----------
Anmerkung: Das Interview wurde im Herbst 2004 geführt. Ursprünglich war MySpace.com ein Anbieter für kostenlose Datenspeicherung im Internet. Erst im Juli 2003 gründete sich die Community unter der gleichen Internetadresse; hierauf bezog sich Davidson wohl. Das Unternehmen wurde jedoch im Juli 2005 vom Medienmogul Rupert Murdoch für 580 Millionen US-Dollar gekauft. MySpace hatte nur zwei Jahre später etwa 180 Millionen Mitglieder.
Samstag, 17. Oktober 2009
2005-11-03 | Rockmusik kann manchmal Leben retten
Kurz vor dem Erscheinen von "REIZWOLF" veröffentlichte die Schülerzeitung DER WECKER ein Interview mit Charly Davidson, das sie bereits im Sommer 2005 geführt hatte.
Wecker: In dem Jahr, in dem ihr erstes Album „KONTAKTAUFNAHME“ erschien, sind viele ihrer heutigen Hörer erst geboren. Warum glauben Sie, finden sich so viele junge Menschen in ihrer Musik wieder?
Charly Davidson: Man muss als Zwanzigjähriger nicht nur die Musik hören, die auch von Zwanzigjährigen gemacht wird. Das ergibt keinen Sinn. Die BEATLES werden ja auch noch von jungen Menschen gehört, die gibt es seit dreieinhalb Jahrzehnten nicht mehr, ganz zu schweigen von Elvis Presley. Dass man als Mensch nur Musik von Gleichaltrigen verstehen würde, das wird zwar manchmal kulturindustriell behauptet, ist aber nicht zutreffend.
Wecker: Hat sich ihr Publikum im Lauf der Zeit mitentwickelt?
Charly Davidson: Natürlich. Meine allererste Platte, die 1982 veröffentlicht wurde, wurde gerade einmal achttausend Mal verkauft. Später habe ich dann goldene Schallplatten bekommen und werde das vielleicht auch in den nächsten Jahren wieder bekommen, die Kriterien hierfür wurden ja mittlerweile herunter gesetzt, das kommt einem dann sehr entgegen. Beim Abschlusskonzert der EXPO 2000, da waren zweitausendfünfhundert Leute da, was für die EXPO als durchaus ungewöhnlich viel galt. Im Gegensatz zum ersten Konzert als Profimusiker, das war 1981, bevor ich den Plattenvertrag hatte, da waren vielleicht fünfzig oder achtzig Zuschauer da. Wenn das anders wäre, dann würde es natürlich auch schwer fallen, das so lange zu machen. Ansonsten würde ich über das Publikum selbst nicht gerne mutmaßen, denn ich kenne die Leute ja nicht. Man ist da auf eine angenehme Weise anonym, aber ist sich doch verbunden.
Wecker: Was empfinden sie für ihr Publikum, ihre Fans, die ihre Historie, ihr Leben kennen, ihnen teilweise verbunden sind über so viele Jahre?
Charly Davidson: Zuerst sind ja alles Individuen und man sollte es sich als Künstler nicht herausnehmen, Fans als Masse zu bewerten. Andererseits ist es schon etwas beängstigend, dass viele Fans vieles über einen wissen, man selbst aber nichts über diese. Ich meine das wertfrei. Wenn ich zum Beispiel Bob Dylan treffen würde, dann wüsste ich vieles über ihn, er aber nichts über mich, was schon für den informativ unterlegenen beängstigend sein kann. Ansonsten liebe ich meine Fans, ich liebe doch alle, alle Menschen.
Wecker: Sie haben ja jahrelang auf den Durchbruch gewartet und sind teilweise am Existenzminimum dahingeschlendert. Was hat Sie durch diese Zeit angetrieben, trotzdem weiterhin Musik zu machen?
Charly Davidson: Das mit dem Schlendern haben Sie schön gesagt - "Schlendern ist Luxus", sagt Ulla Meinecke. Das war in den 70er-Jahren und es hat viel Spaß gemacht. Ich möchte nicht sagen, dass es uns, also meiner damaligen Band und mir, lange schlecht ging. Es sind ja dann auch immer Sachen passiert, die mich weitergebracht haben. Zuerst machte ich Folk-Rock mit Elektromusik-Elementen, dann Politrock und dann literarisches Kabarett. Später gewannen Lukas Linde und ich einen Musikwettbewerb und plötzlich gab es mehr Möglichkeiten und einen Plattenvertrag.
Wecker: Sie haben dann kurz vor dem Ende der 70er auch die Sprache von Englisch auf Deutsch gewechselt, lange bevor das in Mode kam …
Charly Davidson: … und das war auch gut so. Ich hatte zwar schon vorher beides gesungen, aber als Politrocksänger ist es natürlich keine Frage, dass man Deutsch singt. Nach zwei Platten wusste ich, dass sich das dann extrem ausgezahlt hat. Und da habe ich noch keine 50.000 Platten verkauft. Es gibt eben Zeiten, in denen man weniger öffentliche Aufmerksamkeit hat, da kann man nichts machen und da gibt es auch nichts zu verstehen darüber. Auf „Warum“ gibt es keine Antwort, das ist einfach so. Letztendlich ist der entscheidende Punkt, dass einem diese Musiksprache Spaß macht. Ich weiß nichts Besseres und so lange ich das machen und dann noch davon leben kann, bin ich wirklich privilegiert.
Wecker: Hätten Sie sich damals, also 1982 oder 1983, vorstellen können, jemals Headliner auf einem Festival zu sein?
Charly Davidson: Na, das ist ja wohl eine Frage, junger Mann. DAS sind doch genau die Träume, die ein Musiker hat, egal wie klein sein Beitrag in der Hierarchie des Musikbusiness auch ist. Klar, ist das eine schleichende Fortentwicklung. Am Anfang dachten wir, wie toll es wäre, einmal auf einem lokalen Festival zu spielen. Dann spielt man plötzlich dort, und dann auf Festivals in größeren Städten, wo 3.000 Leute als Publikum da sind. Und das ging bei mir eben weiter, bis es 30.000 waren. 30.000, das ging bei uns 1986 los, als wir der Support-Act von Udo Lindenberg waren. Da war das aber dann doch sehr schwierig für mich, denn da wollte man mich nicht. (lacht)
Wecker: Was immer in der Welt passiert, im Charly Davidson-Kosmos geht alles auf. Wie setzten Sie das Leben textlich um?
Charly Davidson: Ganz einfach: wir sind doch Individuen, da kann man doch nichts, was für einen Einzelnen wichtig ist, als unwichtig ansehen. Es ist unser Leben, das Leben jedes einzelnen, das ich beschriebe. Ich will auch keine Songs, die „wir“ sagen oder gar befehlen mit „ihr müsst“. Hör mal in den Text von „Won’t get fooled again“ (Anmerkung: von THE WHO) richtig hinein. Dort, wie stets in der wahren Kunst, geht es um den Einzelnen. Er ist die Seele aller Kunst. „Wenn es einfach wäre, dann wäre es nicht das Leben.“, habe ich meine Kunstfigur Strelitz einmal sagen lassen. Das ist es. Leute bringen sich überwiegend deswegen um. Wegen ihres Lebens. Nicht, weil es sie belastet, dass irgendwo auf der Welt Menschen verhungern.
Wecker: Empfinden Sie die Erwartungshaltungen Ihrer Fans als Druck? Versuchen Sie dieser zu entsprechen?
Charly Davidson: Ich hoffe, ich verrate keine Geheimnis, wenn ich sage, dass ich unter dem Strich auch nur drei oder vier verschiedene Songs habe, die ich immer wieder neu erfinde. Aber das ist eigentlich schon sehr viel für einen Künstler. Schau Dir mal DSDS an, manche Gewinner haben überhaupt keinen Song und der reicht dann immerhin noch für eine Nummer 1 bei den Singles und ein ganzes Album. Und, wie schon gesagt, es gibt ja so etwas wie „die Fans“ nicht. Denn wenn man sagt, dass die Leute eine Erwartungshaltung haben, dann muss man sich fragen, wer denn diese Leute überhaupt sind. Da man nicht wirklich eine Vorstellung über jeden einzelnen hat, und deshalb auch über Erwartungen nichts Gültiges sagen kann, gibt es keine Erwartungshaltung. Manche Leute sagen, sie hätten gerne eine Platte, genau so wie „die von 1982“. Selbst wenn ich das so hinkriegen würde, dann hat eben dieser Hörer mich vielleicht erst zehn Jahre später für sich entdeckt, in einer gewissen Situation mit der diese Platte für ihn für immer verbunden ist und ginge dann mit völlig falschen Erwartungen in die neue Platte. Solche Fan-Vorgaben sind eben deshalb gar nicht zu bewältigen und wenn man damit nicht umgehen kann, dann kann man das gleich vergessen. Es gibt eine einzige Band, und die heißt auch noch STATUS QUO, da ist alles immer gleich. Für mich ist das nichts. Rockmusik hat zwar nicht die Größe, die Welt zu verändern, aber sie kann manchmal Leben retten und in Deutsch können meine Fans ihre Lebensrettungshilfen an optimalsten verstehen.
Wecker: Sie haben ja auch neben ihrer Musik auch andere Projekte gemacht, wie etwa Bücher geschrieben. Kann man denn da Neues von Ihnen erwarten?
Charly Davidson: Ich schreibe gerade einen neuen Roman, der wahrscheinlich nächstes Jahr erscheinen wird - wenn er mir gelingt. Es kann ja auch sein, dass ich das dann nicht gut finde und mich dann gegen eine Veröffentlichung entschließe. Sonst wären ja die schlechten Kritiken gar nicht auszuhalten. Wenn man etwas selbst für gut befindet, dann ist es ja in Ordnung, außer, dass man den Rezensenten dann hasst. Aber wenn man selbst nicht überzeugt ist und dann bekommt man schlechte Kritiken, dann kommt auch noch die Scham dazu. Und das ist ja die schlimmste Scheiße, die passieren kann.
Wecker: Sie betonen ja oft, dass die Figuren in ihren Liedern und Büchern nicht Sie selbst sind. Aber auf dem Album „Inkar-Nation“ zum Beispiel gibt es den Song „Heimatkunde“, bei dem es nicht schwer fällt, sofort an Sie zu denken.
Charly Davidson: Auf gewisse Art und Weise schon, denn ich verbringe ja viel Zeit mit mir. (lacht) Aber ich bin eigentlich vom Typ her mehr wie andere Charaktere in meinen Songs. Ein Typ wie ich es selbst bin, ist als Song- oder Romanheld für mich uninteressant, denn da kann mich nichts mehr überraschen, ich kenne mich ja schon. Da brauch ich nichts darüber zu schreiben, das ist ja langweilig.
Wecker: In dem Jahr, in dem ihr erstes Album „KONTAKTAUFNAHME“ erschien, sind viele ihrer heutigen Hörer erst geboren. Warum glauben Sie, finden sich so viele junge Menschen in ihrer Musik wieder?
Charly Davidson: Man muss als Zwanzigjähriger nicht nur die Musik hören, die auch von Zwanzigjährigen gemacht wird. Das ergibt keinen Sinn. Die BEATLES werden ja auch noch von jungen Menschen gehört, die gibt es seit dreieinhalb Jahrzehnten nicht mehr, ganz zu schweigen von Elvis Presley. Dass man als Mensch nur Musik von Gleichaltrigen verstehen würde, das wird zwar manchmal kulturindustriell behauptet, ist aber nicht zutreffend.
Wecker: Hat sich ihr Publikum im Lauf der Zeit mitentwickelt?
Charly Davidson: Natürlich. Meine allererste Platte, die 1982 veröffentlicht wurde, wurde gerade einmal achttausend Mal verkauft. Später habe ich dann goldene Schallplatten bekommen und werde das vielleicht auch in den nächsten Jahren wieder bekommen, die Kriterien hierfür wurden ja mittlerweile herunter gesetzt, das kommt einem dann sehr entgegen. Beim Abschlusskonzert der EXPO 2000, da waren zweitausendfünfhundert Leute da, was für die EXPO als durchaus ungewöhnlich viel galt. Im Gegensatz zum ersten Konzert als Profimusiker, das war 1981, bevor ich den Plattenvertrag hatte, da waren vielleicht fünfzig oder achtzig Zuschauer da. Wenn das anders wäre, dann würde es natürlich auch schwer fallen, das so lange zu machen. Ansonsten würde ich über das Publikum selbst nicht gerne mutmaßen, denn ich kenne die Leute ja nicht. Man ist da auf eine angenehme Weise anonym, aber ist sich doch verbunden.
Wecker: Was empfinden sie für ihr Publikum, ihre Fans, die ihre Historie, ihr Leben kennen, ihnen teilweise verbunden sind über so viele Jahre?
Charly Davidson: Zuerst sind ja alles Individuen und man sollte es sich als Künstler nicht herausnehmen, Fans als Masse zu bewerten. Andererseits ist es schon etwas beängstigend, dass viele Fans vieles über einen wissen, man selbst aber nichts über diese. Ich meine das wertfrei. Wenn ich zum Beispiel Bob Dylan treffen würde, dann wüsste ich vieles über ihn, er aber nichts über mich, was schon für den informativ unterlegenen beängstigend sein kann. Ansonsten liebe ich meine Fans, ich liebe doch alle, alle Menschen.
Wecker: Sie haben ja jahrelang auf den Durchbruch gewartet und sind teilweise am Existenzminimum dahingeschlendert. Was hat Sie durch diese Zeit angetrieben, trotzdem weiterhin Musik zu machen?
Charly Davidson: Das mit dem Schlendern haben Sie schön gesagt - "Schlendern ist Luxus", sagt Ulla Meinecke. Das war in den 70er-Jahren und es hat viel Spaß gemacht. Ich möchte nicht sagen, dass es uns, also meiner damaligen Band und mir, lange schlecht ging. Es sind ja dann auch immer Sachen passiert, die mich weitergebracht haben. Zuerst machte ich Folk-Rock mit Elektromusik-Elementen, dann Politrock und dann literarisches Kabarett. Später gewannen Lukas Linde und ich einen Musikwettbewerb und plötzlich gab es mehr Möglichkeiten und einen Plattenvertrag.
Wecker: Sie haben dann kurz vor dem Ende der 70er auch die Sprache von Englisch auf Deutsch gewechselt, lange bevor das in Mode kam …
Charly Davidson: … und das war auch gut so. Ich hatte zwar schon vorher beides gesungen, aber als Politrocksänger ist es natürlich keine Frage, dass man Deutsch singt. Nach zwei Platten wusste ich, dass sich das dann extrem ausgezahlt hat. Und da habe ich noch keine 50.000 Platten verkauft. Es gibt eben Zeiten, in denen man weniger öffentliche Aufmerksamkeit hat, da kann man nichts machen und da gibt es auch nichts zu verstehen darüber. Auf „Warum“ gibt es keine Antwort, das ist einfach so. Letztendlich ist der entscheidende Punkt, dass einem diese Musiksprache Spaß macht. Ich weiß nichts Besseres und so lange ich das machen und dann noch davon leben kann, bin ich wirklich privilegiert.
Wecker: Hätten Sie sich damals, also 1982 oder 1983, vorstellen können, jemals Headliner auf einem Festival zu sein?
Charly Davidson: Na, das ist ja wohl eine Frage, junger Mann. DAS sind doch genau die Träume, die ein Musiker hat, egal wie klein sein Beitrag in der Hierarchie des Musikbusiness auch ist. Klar, ist das eine schleichende Fortentwicklung. Am Anfang dachten wir, wie toll es wäre, einmal auf einem lokalen Festival zu spielen. Dann spielt man plötzlich dort, und dann auf Festivals in größeren Städten, wo 3.000 Leute als Publikum da sind. Und das ging bei mir eben weiter, bis es 30.000 waren. 30.000, das ging bei uns 1986 los, als wir der Support-Act von Udo Lindenberg waren. Da war das aber dann doch sehr schwierig für mich, denn da wollte man mich nicht. (lacht)
Wecker: Was immer in der Welt passiert, im Charly Davidson-Kosmos geht alles auf. Wie setzten Sie das Leben textlich um?
Charly Davidson: Ganz einfach: wir sind doch Individuen, da kann man doch nichts, was für einen Einzelnen wichtig ist, als unwichtig ansehen. Es ist unser Leben, das Leben jedes einzelnen, das ich beschriebe. Ich will auch keine Songs, die „wir“ sagen oder gar befehlen mit „ihr müsst“. Hör mal in den Text von „Won’t get fooled again“ (Anmerkung: von THE WHO) richtig hinein. Dort, wie stets in der wahren Kunst, geht es um den Einzelnen. Er ist die Seele aller Kunst. „Wenn es einfach wäre, dann wäre es nicht das Leben.“, habe ich meine Kunstfigur Strelitz einmal sagen lassen. Das ist es. Leute bringen sich überwiegend deswegen um. Wegen ihres Lebens. Nicht, weil es sie belastet, dass irgendwo auf der Welt Menschen verhungern.
Wecker: Empfinden Sie die Erwartungshaltungen Ihrer Fans als Druck? Versuchen Sie dieser zu entsprechen?
Charly Davidson: Ich hoffe, ich verrate keine Geheimnis, wenn ich sage, dass ich unter dem Strich auch nur drei oder vier verschiedene Songs habe, die ich immer wieder neu erfinde. Aber das ist eigentlich schon sehr viel für einen Künstler. Schau Dir mal DSDS an, manche Gewinner haben überhaupt keinen Song und der reicht dann immerhin noch für eine Nummer 1 bei den Singles und ein ganzes Album. Und, wie schon gesagt, es gibt ja so etwas wie „die Fans“ nicht. Denn wenn man sagt, dass die Leute eine Erwartungshaltung haben, dann muss man sich fragen, wer denn diese Leute überhaupt sind. Da man nicht wirklich eine Vorstellung über jeden einzelnen hat, und deshalb auch über Erwartungen nichts Gültiges sagen kann, gibt es keine Erwartungshaltung. Manche Leute sagen, sie hätten gerne eine Platte, genau so wie „die von 1982“. Selbst wenn ich das so hinkriegen würde, dann hat eben dieser Hörer mich vielleicht erst zehn Jahre später für sich entdeckt, in einer gewissen Situation mit der diese Platte für ihn für immer verbunden ist und ginge dann mit völlig falschen Erwartungen in die neue Platte. Solche Fan-Vorgaben sind eben deshalb gar nicht zu bewältigen und wenn man damit nicht umgehen kann, dann kann man das gleich vergessen. Es gibt eine einzige Band, und die heißt auch noch STATUS QUO, da ist alles immer gleich. Für mich ist das nichts. Rockmusik hat zwar nicht die Größe, die Welt zu verändern, aber sie kann manchmal Leben retten und in Deutsch können meine Fans ihre Lebensrettungshilfen an optimalsten verstehen.
Wecker: Sie haben ja auch neben ihrer Musik auch andere Projekte gemacht, wie etwa Bücher geschrieben. Kann man denn da Neues von Ihnen erwarten?
Charly Davidson: Ich schreibe gerade einen neuen Roman, der wahrscheinlich nächstes Jahr erscheinen wird - wenn er mir gelingt. Es kann ja auch sein, dass ich das dann nicht gut finde und mich dann gegen eine Veröffentlichung entschließe. Sonst wären ja die schlechten Kritiken gar nicht auszuhalten. Wenn man etwas selbst für gut befindet, dann ist es ja in Ordnung, außer, dass man den Rezensenten dann hasst. Aber wenn man selbst nicht überzeugt ist und dann bekommt man schlechte Kritiken, dann kommt auch noch die Scham dazu. Und das ist ja die schlimmste Scheiße, die passieren kann.
Wecker: Sie betonen ja oft, dass die Figuren in ihren Liedern und Büchern nicht Sie selbst sind. Aber auf dem Album „Inkar-Nation“ zum Beispiel gibt es den Song „Heimatkunde“, bei dem es nicht schwer fällt, sofort an Sie zu denken.
Charly Davidson: Auf gewisse Art und Weise schon, denn ich verbringe ja viel Zeit mit mir. (lacht) Aber ich bin eigentlich vom Typ her mehr wie andere Charaktere in meinen Songs. Ein Typ wie ich es selbst bin, ist als Song- oder Romanheld für mich uninteressant, denn da kann mich nichts mehr überraschen, ich kenne mich ja schon. Da brauch ich nichts darüber zu schreiben, das ist ja langweilig.
Dienstag, 13. Oktober 2009
2002-05-17 | Auferstehung Light
Zum inszenierten Tod Charly Davidsons im Mai 2002 schrieb damals SPIEGEL ONLINE unter dem Titel "Auferstehung Light - oder: Sterben ohne tot zu sein":
(...) Rock-Chamäleon Charly Davidson: Vor zwei Jahren löste sein Albumtitel "Die letzte Ölung" bei Fans wie Kritikern Befremdung aus. Dieses Frühjahr war es die Meldung seiner Plattenfirma, sein neuestes Album würde im Sommer unter dem Titel "Begräbnis" erscheinen. Dies ist seit letzten Freitag, als RTL in einer Filmdoku Davidsons Tod meldete und seiner überraschenden Rückkehr ins Reich der Lebenden am gestrigen Montag, nicht mehr ganz so sicher: sein Label GLOBA prüft derzeit nach eigenen Angaben eine sofortige Kündigung des Plattendeals mit Charly Davidson, der immerhin seit fast 18 Jahren läuft.
Über drei Alben konzipiert ist die intellektuelle Todestrilogie Davidsons plus einem Zwischenakt 'Ich bin tot und das kam so' letzte Woche im Privatfernsehen. Das Ganze hat den Look einer Produktion die als Miniserie designt wurde. Ohne jeden Zweifel ist sie lang und düster. Aber vielleicht nicht zu lang oder zu düster für eine Geschichte, die des Todes der Menschheit gedenkt. Spannend daran ist natürlich, wie sie enden wird und vor allem wann.
Auf jeden Fall ist Davidson mit dem über die TV-Plattform dctp (ohne Wissen und Kenntnis ihres Mentors Alexander Kluge, wie dieser gestern betonte) ausgestrahlte Inszenierung des eigenen Todes zu weit gegangen. Empörung und Protest formiert sich überall, wobei die BILD sogar unerwartete Unterstützung durch die taz erfährt. Aber auch die Künstler-Kollegen reagieren genervt. André Heller, auf Davidsons Inszenierung angesprochen, reagierte noch am souveränsten und spottete. "Dazöö ma kane Schmäh!, sagt ma in Österreich. Für mich ist der Tod ein großer Animateur, nicht der Mensch. Jeder der weiß, dass Lebenszeit begrenzt ist, der wäre gut beraten, sie kreativer zu nutzen. Es ist ja lächerlich, sich mit dem einzigen, das gewiss ist im Leben, anzulegen. Jeder Mensch hat es am Schluss geschafft zu sterben, da sind solche Späße überflüssig. Der Herr Davidson wird den Tod auch noch irgendwann einmal schaffen.“ sagte er bei RTL. (...)
(...) Rock-Chamäleon Charly Davidson: Vor zwei Jahren löste sein Albumtitel "Die letzte Ölung" bei Fans wie Kritikern Befremdung aus. Dieses Frühjahr war es die Meldung seiner Plattenfirma, sein neuestes Album würde im Sommer unter dem Titel "Begräbnis" erscheinen. Dies ist seit letzten Freitag, als RTL in einer Filmdoku Davidsons Tod meldete und seiner überraschenden Rückkehr ins Reich der Lebenden am gestrigen Montag, nicht mehr ganz so sicher: sein Label GLOBA prüft derzeit nach eigenen Angaben eine sofortige Kündigung des Plattendeals mit Charly Davidson, der immerhin seit fast 18 Jahren läuft.
Über drei Alben konzipiert ist die intellektuelle Todestrilogie Davidsons plus einem Zwischenakt 'Ich bin tot und das kam so' letzte Woche im Privatfernsehen. Das Ganze hat den Look einer Produktion die als Miniserie designt wurde. Ohne jeden Zweifel ist sie lang und düster. Aber vielleicht nicht zu lang oder zu düster für eine Geschichte, die des Todes der Menschheit gedenkt. Spannend daran ist natürlich, wie sie enden wird und vor allem wann.
Auf jeden Fall ist Davidson mit dem über die TV-Plattform dctp (ohne Wissen und Kenntnis ihres Mentors Alexander Kluge, wie dieser gestern betonte) ausgestrahlte Inszenierung des eigenen Todes zu weit gegangen. Empörung und Protest formiert sich überall, wobei die BILD sogar unerwartete Unterstützung durch die taz erfährt. Aber auch die Künstler-Kollegen reagieren genervt. André Heller, auf Davidsons Inszenierung angesprochen, reagierte noch am souveränsten und spottete. "Dazöö ma kane Schmäh!, sagt ma in Österreich. Für mich ist der Tod ein großer Animateur, nicht der Mensch. Jeder der weiß, dass Lebenszeit begrenzt ist, der wäre gut beraten, sie kreativer zu nutzen. Es ist ja lächerlich, sich mit dem einzigen, das gewiss ist im Leben, anzulegen. Jeder Mensch hat es am Schluss geschafft zu sterben, da sind solche Späße überflüssig. Der Herr Davidson wird den Tod auch noch irgendwann einmal schaffen.“ sagte er bei RTL. (...)
Abonnieren
Posts (Atom)
