Freitag, 23. Juli 2010

1994-11-18 | Davidson: Alles nur ein Bluff

Die BILD-Zeitung schreibt am 18. November 1994:

Wer hätte das gedacht? Charly Davidson hat uns alle monatelang an der Nase herumgeführt. Weder wird er nun ernsthafter Schriftsteller, noch wird er für alle Ewigkeiten diese naturgeistige Bartpracht in seinem Gesicht tragen - und er wird auch weiterhin Musik machen. Sämtliche Skandale, Ausraster und Peinlichkeiten der letzten Monate waren sozusagen ein Bluff.

Vor rund einem Jahr hatte Filmemacher Peter Stern, dass er einen Dokumentarfilm über die Wandlung seines Schwagers von einer Rocklegende zum Schriftseller drehen wolle. Charly Davidson hatte angekündigt, nie wieder einen Ton aufnehmen zu wollen und der Musikbranche den Rücken zuzukehren. Es folgte ein fragwürdiger Auftritt nach dem anderen, die an Peinlichkeit teilweise kaum noch zu unterbieten waren. So torkelte er betrunken durch eine TV-Talkshow, nuschelte bei Radiosuftritten, so dass kaum etwas zu verstehen war. Nach und nach verdichteten sich die Gerüchte, dass der Schauspieler, dem man immer Drogenkonsum andichtete, im Drogensumpf unterzugehen drohe.

Jetzt wurde bekannt, dass es sich bei seinem seltsamen Verhalten um den Dreh einer Mockumentary handelt, die nun im Privatfernsehen ausgestrahlt werden soll. Laut Medieninformationen führen Davidson und Stern momentan Verhandlungen mit diversen TV-Sendern. Letzte Woche wurden in Jena Ausschnitte unter strenger Geheimhaltung potenziellen Interessenten, unter ihnen RTL2 und VOX, präsentiert und schon in den nächsten Tagen könnte ein Vertrag zustande kommen.

Nun werden wir also erfahren, was wirklich hinter den Aktionen der letzten Zeit steckt – warum Charly Davidson sich einen Bart wachsen ließ, weshalb er bei einer seiner Lesungen von der Bühne stürzte, was mit ihm in der Late-Night-Show von Thomas Gottschalk los war und ob er wirklich in die Fußstapfen von Kurt Tucholsky treten will oder ob er der Welt die ganze Zeit nur eine Rolle vorgespielt hat. Vor allem haben zukünftig seine Fans die Frage zu beantworten, was sein Verhalten be iihnen bewirkt hat und ob sie ihm einen Schabernack übel nehmen, weil sie sich möglicherweise ernsthafte Sorgen um ihn und seinen gesundheitlichen Zustand gemacht haben?

Dienstag, 13. Juli 2010

2000-07-13 | Charly mitten im "Cuckoo Cocoon"

Aus aktuellem Anlass - Charly Davidsons Ex-Ehefrau Sabine hatte in der gestrigen Ausgabe des Magazins FAUCOULT erstmals nach der im Jahre 2005 erfolgen Scheidung von ihm ihr Schweigen gebrochen - soll hier noch einmal auf die Zeit vor genau zehn JAhren hingewiesen werden, als Charly seine spätere zweite Ehefrau Dr. Ursula Maus kennenlernte, erinnert werden. Alle E-Mails dieser Zeit kann man ja HIER nachlesen.

So schrieb er am 13. Juli 2000 folgende E-Mail ...


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Von: charts@charlydavidson.com
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Das hatte ich mir doch gedacht

„Ein guter Autor ist ein Minenleger: Er befindet sich schon in anderen Gewässern, wenn die Minen hochgehen.“ (Ernst Jünger)

U.,

um Deinen Gedanken zum Abschied weiterzuführen, denke ich: Abschied muss man können. Was nutzt es, wenn man etwas macht, was man nicht kann. Klar, manche Menschen würden jetzt sagen: Dann muss man halt üben, wenn man es nicht kann. - Dir brauche ich nicht zu sagen, wo hier der Denkfehler zu meinem Denkansatz liegt.

Du hast mir in einem Nebensatz mitgeteilt, daß Du mal studiert hast. Zeit für ein weiteres Outing meinerseits: Nein, ich habe kein Abitur. Durch diese unglücklichen Lebensumstände konnte ich folglicherweise auch nicht klassisch studieren ... meine größten Erfolge schaffte ich auch so. Trotzdem bedauere ich es, nicht studiert zu haben; was mann da so für Geschichten hört. - Aber zurück zum Thema ‘Mauern in den Köpfen’.

Manchmal passiert mir folgende Szene (Ausgangspunkte):

Ich habe eine tolle Platte gemacht / bekomme einen Preis verliehen / habe ein unglaubliches Interview geführt etc.. Mein Gegenüber (Intellektueller/Minister/Professor etc.) sagt: „...und wo, mein Lieber, haben sie denn studiert? Im Westen? Sie kommen doch nicht von hier?...“ Ich entgegne: „Leider habe ich nie studiert.“ Er/sie: „Aber irgendetwas haben sie doch gemacht? - Ich (bin geneigt mit Strelitz zu sagen, dass ich dicker geworden bin) erleichtere dem Gegenüber aber den Smal-Talk und sage: „Ich war einige Jahre auf einer Fachhochschule und bin Diplom...“; weiter komme ich nicht, da der Gegenüber erfreut sagt: „Ja dann. Sehn sie, das hatte ich mir doch gedacht.“ - Hier fehlt als Nachsatz nur noch Deine Radio-Entdeckung aus Berlin: „...einfache Leute müssen ja ooch ma loofen jehn!“

Lass uns eine Deiner Reh/Maus-Kenntnisse umdrehen, um zu prüfen, ob sie richtig ist oder latent ‘mauerbaufreundlich’:

Du behauptest „Die Umwertung der Werte wird durch Wessis von Ossis gefordert, wobei erstere nicht bedenken, daß ihnen ähnliches abverlangt wird - die Zeit hat sich für alle verändert! Ossis sind kaum dazu imstande, ihre Werte umzuwerten, weil sie sich ihrer und ihres eigenen Lebens nicht mehr als Wert bewußt sind!“

Ich stelle um: „Die Umwertung der Werte wird durch Ossis von Wessies gefordert, wobei erstere nicht bedenken, dass ihnen ähnliches abverlangt wird - die Zeit hat sich für alle verändert! Wessies sind kaum dazu imstande, ihre Werte umzuwerten, weil sie sich ihrer und ihres eigenen Lebens nicht mehr als Wert bewußt sind!“

Ich analysiere oft meine Gedanken auf diese Weise um sie einmal aus einer anderen Warte aus anzuschauen.

Meine ‘Einführung in das Leben JWGs für junge Leute’ hatte ich schon früher (für’s Radio) gemacht im Sinne von Benjamin Brittens „young persons guide to classical music“. Leider werde auch ich nicht jünger, obwohl ich neulich einen fatalen Fehler gemacht habe, als ich dachte, ich wäre jetzt schon älter als Tucholsky war, bei seinem Tod. Da ich jünger bin als J. K. und er noch nicht so alt ist, wie Kurt an seinem Todestag, bin ich doch eigentlich „...noch gar nicht so alt, wie ich immer gedacht habe...“ (heisse aber nach wie vor nicht Herr Wendriner).

Übrigens bin ich auch bald wieder im TV. Ende Juli gibt es in Leipzig die Sendung "DEUTSCH - DEUTSCHER - DIALOG" mit Manfred Geißler und Bernd Wagenbach und da gehen wir diesen Fragen "mit Gästen aus Ost und West" nach, wie es so schön heißt. Mit dabei ist mein Freund Lacky und Klaus Bergmann, der Sänger und Autor. Wenn Du willst, laß ich Dir den genauen Termin durchgeben.

M(ach Dir weiter) f(ortschreitende) G(edanken)

ChD

Montag, 12. Juli 2010

2010-07-12 | Sabine Korff: CHARLY LEBT WEITER

Im Magazin FOUCAULT spricht Charly Davidsons Ex-Ehefrau Sabine Korff erstmals nach seinem Tod über ihnd, die Ehe, seine Kinder und was von seinem Erbe bleiben wird. Das Interview führte Petra Neumann.

FOUCAULT: Frau Korff...oder soll ich Davidson sagen?

Sabine Korff: Ach nein, Quatsch, Sie brauchen mich nicht so zu nennen. Charly und alle nannten mich immer Sabine. Offiziell bin ich natürlich Frau Korff.

F: Wann sind Sie und ihr Mann sich zum ersten Mal begegnet?

Korff: 1979 trafen wir uns durch Zufall in einem Jugendzentrum in Frankfurt Fechenheim.

F: Da waren Sie aber schon keine Jugendliche mehr und Charly Davidson auch nicht.

K: Das stimmt, wir waren beide schon über Zwanzig. Ich kellnerte dort und Charly hatte gerade ein Konzert mit seiner damaligen Band FLIESSBAND gegeben.

F: Es heißt immer, Charly Davidson habe viele Menschen vereinnahmt. Wie erging es Ihnen?

Korff: Ich studierte damals und hatte versucht, mir über die paar Probleme, die ich hatte, klar zu werden. Ich war da nicht so in Gefahr, unter seinen Einfluss zu geraten. Vielleicht war das ja genau der Punkt, der ihn interessiert hat. Ich merkte, dass er mich so komisch konzentriert beobachtete. Ich glaube, Charly hat sich die Leute einfach ausgesucht. Aber zunächst mal war er ja auch nur mein bester Freund. Erst mit der Zeit habe ich festgestellt, dass er anderen gegenüber so stumm war und so wenig ehrliches von sich erzählt hat.

F: : Wie kamen Sie in der »Davidson-Gruppe« zurecht?

Korff: Sie meinen den »Davidson Clan«?

F: Ja.

Korff: Vor allem Charly, mein Bekannter und späterer Produzent von Charly, Lukas Linde, mein Bruder Peter, ein Filmemacher, und ich haben viel diskutiert und uns mit allem auseinandergesetzt. Aber dieser "Clan" war ja nie eine Gruppe im eigentlichen Sinn.

F: Sondern?

Korff: Ich denke, mankann sagen, es war eher eine verschworene Gemeinschaft. Seine Gruppenphase hatte Charly ja in seiner Band.

F: Worum ging es damals in ihren Diskussionen?

Korff: Um Musik und um die Bücher, die wir in dieser Zeit fast immer gemeinsam lasen. Peter brachte Charly und ich zum Beispiel in Kontakt mit der ganzen Freud-Literatur, auch mit Hans Kilians "Das enteignete Bewusstsein". Dieses Buch wurde sehr wichtig für Charly. Kilian gehörte zur Bürgerrechtsbewegung, die für den "Clan" politisch sehr interessant war. Dieses Buch spielte für uns eine recht große Rolle damals, weil es die gemeinsame Basis einer ähnlichen Sehnsucht nach Utopie war. Später nahm Neil Postmans Buch "Wir amüsieren uns zu Tode" eine ähnliche Rolle ein.

F: Charly war ja in den 70ern durchaus politisch aktiv, war Politrocksänger. Mit dem Beginn seiner Plattenkarriere veränderte, verschob sich das zur Musik hin. Weniger Politik, mehr Musik ...

Korff: ... das ist sehr gut beobachtet von Ihnen, wobei seine Texte trotzdem meist intensiv durchdacht waren ...

F: ... im Jahr 1989 sagte ihr Mann dann, dass von all den vielen Interpreten und Bands, die zwei Dekaden zuvor angetreten seien mit »Krautrock die Welt zu verändern«, wie er es ausdrückte, nur er selbst, KW und CAN übrig geblieben seien. Wie sahen und sehen Sie das?

Korff: Es ging ihm um die grundsätzlichen Strukturänderungen im Fühlen und Denken der Fans. Auch wenn er das vielleicht nicht so geschafft hat, wie die erwähnten KW oder CAN. Wissen Sie, er litt oft darunter, dass er dachte, es verpasst zu haben, den folgenden Generationen etwas wirklich Wichtiges zu vermitteln. Aber, was er vermittelt e war trotzdem besonders: Es gab ja damals, in den Siebzigern, dieses vehemente Bedürfnis, sich als Musikkünstler mit der deutschen Vergangenheit auseinanderzusetzen und eben auch in die alltägliche Geschichte einzugreifen. Das führte bei ihm zu einer großen Aufmerksamkeit sich selbst und den eigenen Bedürfnissen gegenüber. Und zu einer Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen in der Liebe und im Leben. Vielleicht kennt ja der eine oder andere noch das Buch "Fangt an zu lieben und zu leben" mit Fotos aus dieser Zeit, als Charly und ich uns kennen lernten, 1978 bis 1980. Das gibt den damaligen Zeitgeist in Offenbach und Frankufurt wieder: Rebellion gegen alles. Davon ist in seiner Arbeit viel verblieben. Ja, wir waren in gewisser Art heftig, waren, Mann oder Frau, irgendwie Rock 'n' Roll. Und Charly wurde zu dem, was er wurde, weil er diese enorme, fast schon aggressive Kraft in sich hatte, die sich über seine Songs veräußert hat. In Stil wie in Form. Stil und Form - das war überhaupt seine künstlerische Grundlage. Ohne Stil keine Moral, und ohne Moral kein Stil.

F: Das greift auch über in eine Lebenshaltung ...

Korff: Natürlich. Das ist doch klar, dass man die künstlerische Arbeit und das Leben nicht trennen kann. Und er legte sich ja niemals auf irgendetwas fest. So konnte er als erfolgreicher Deutsch-Rock-Künstler die Lounge Musik erfinden, etwas 180 Grad anderes, also im Grunde ein völliges Paradoxum. So etwas konnte nur er vollbringen. Dafür wurde er bewundert und das nicht nur von mir, als seiner Frau. Natürlich hat er polarisiert. Man kann über Charlys Art, die Dinge übertrieben und zugespitzt darzustellen sicher geteilter Meinung sein. Doch wenn man gelernt hatte, damit umzugehen und das offensichtlich Überflüssige aus seinen Worten und Gedanken herauszufiltern, blieb fast immer eine tiefe Wahrheit übrig.

F: Sie sprachen von seinem Stil anders zu sein, unerwartet. Wie entstand denn dieser Stil?

Korff: Das war schon immer in ihm drin. Aber es gab ja auch stetes bei ihm. Obwohl alle seine Alben immer auch deutsche Stimmungsbilder sind, obwohl sie immer auch die Alltagsgeschichten enthalten, sind sie ja extrem konstruiert. Nicht nur auf der musikalischen Ebene. Denken Sie doch nur daran, wie er manchmal spricht oder wie er sich auf der Bühne bewegte. Charly setzte alles immer ganz bewusst so ein, dass es nicht realistisch wirkt. Er verwendete zum Beispiel viele Alltagsphrasen aus Zeitungen und setzte sie in völlig andere Zusammenhänge um diese Absurdität zu erzielen, mit der sie auf den Hörer eine fast schon psychologisch zu nennende Wirkung und Durchdringung erzielten.

F: Konnten Sie inhaltlich bei seinen Alben mitreden?

Korff: Manchmal. Darüber gesprochen haben wir immer.

F: Bis zur Trennung...

Korff: Ja.

F: Was bedeutet diese Trennung, die Scheidung für Sie, aus heutiger Sicht betrachtet? Und wie verwaltet man dann sein Erbe?

Korff: Ich und viele andere auch halten die andere Seite für moralisch ungeeignet, sein Erbe zu verwalten, nicht nur weil sie ihre Beziehung mit ihm auf einer Riesenlüge aufgebaut hat. Sie hat zu seiner Lebzeit fast alle engen Mitarbeiter und Freunde ausgeschlossen, die um dieses Lügengespinst wussten. Und es ging ja auch nach dem Tode weiter. Sie hatte ja in einer einfältigen Weise versucht, Kompositionen und Texte von Charly als gemeinsame Werke bei der GEMA anzumelden. Ein Versuch, der kläglich scheiterte und ihren Ruf erheblich ramponierte. So gibt es unzählige weitere Verfälschungen und Halbwahrheiten, die aber längst nicht alle justiziabel sind. Es war der Versuch der Zensur eines Lebens. Es tröstet nur, dass Charly sich sofort scheiden ließ, als er schmerzhaft bemerken musste, was sie für ein infames Spiel von Anfang an mit ihm getrieben hatte.

F: Auch mit Ihrem Leben?

Korff: Natürlich. Am Anfang haben wir alle noch gelacht über die andere Seite. Aber nach und nach hat sie sich in sein Leben geschlichen, dort eingenistet und ihm eingeflüstert, was er zu tun und zu lassen habe. Laut diesen Behauptungen bin ich nach unserer Scheidung aus Charlys Leben verschwunden, was nicht stimmte, denn allein schon wegen unserer Töchter hatten wir immer weiter engen Kontakt. Zum Beispiel saßen wir ja Seite an Seite bei Carolines Hochzeit.

F: Warum haben Sie sich nie gegen diese Bedrohung Ihrer Ehe gewehrt?

Korff: Ich fand das alles zu schmuddelig. Letztlich konnte man Charly nicht stoppen, wenn er etwas wollte. Und ich denke, die andere Seite sowieso nicht. Im besten Fall konnte man ihre Pläne entschleunigen. Wirklich dagagen wehren konnte ich mich nicht.

F: Weshalb sprechen Sie jetzt darüber? Sie haben doch lange geschwiegen.

Korff: Ich werde immer öfter, auch von Journalisten, auf diese Halb- und Unwahrheiten angesprochen, die verstärkt nach Charlys Tod in die Presse kolportiert wurden.

F: Jetzt sind Ihre Töchter die Alleinerben. Sagen Sie sich: "Hauptsache, die Kinder kümmern sich um seinen den Nachlass" oder können Sie da schon mitreden?

Korff: Klar, das ist ein riesiger international operierender Apparat, der sich um die Rechteverwertung kümmert. Brian Barquin hilt uns dabei, was ein wirkliches Glück für alle ist. Das können keine zwei Menschen allein erledigen, auch wenn es sich dabei um meine Kinder handelt, Charlys Töchter, auf die ich im übrigen sehr stolz bin, genau so wie er es zu seinen Lebzeiten war. Es handelt sich ja um ein vielschichtiges Werk, das dank der ungeheuren künstlerischen Produktivität von Charly Davidson-Korff existiert. Und ohne die vielen Mitstreiter und Weggefährten wäre es nicht zu verwirklichen gewesen. Die versuche ich immer wieder in die Nachverwertung einzubinden, soweit das natürlich geht. Aber ich habe immer noch meine Kontakte zu vielen Menschen im Business.

F: Obwohl man versuchte, Sie als stille Hausfrau am Herd zu stilisieren.

Korff: Ich würde sogar sagen: zu inszenieren. Und die Richtung, aus der dies kam, ist ja eindeutig. Ein stillen Heimchen, eine Hausfrau, war ich nie. Charly schätzte immer meinen Intellekt und meine Ratschläge. Dass ich jetzt den Mund aufmache, bringt mir nichts ein, finanziell wie persönlich. Aber ich leiste es mir, auch einmal reden zu können. Ich musste dafür nur einmal die richtige Zeit finden.

F: Wann sahen Sie Ihren Ex-Mann zum letzten Mal?

Korff: Ich freue mich, dass Sie nicht sagen "ihren verstorbenen Mann". Es gibt ja Menschen, die Priscilla Presley immer noch als die "Elvis-Witwe" bezeichnen, obwohl beide, als Elvis starb, schon fast vier Jahre geschieden waren. Auch mich erreichen immer wieder Anfragen von Magazinen und Zeitungen zu "meinem verstorbenen Mann" - schrecklich. Er war und ist mein Ex-Mann, schon weil er dies so wollte. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ein paar Tage vor Charlys Tod bin ich noch einmal nach Steinheim gefahren. Charlys Zimmer neben seinem Tonstudio war ganz unaufgeräumt. Das war wirklich schlimm anzusehen für mich. Überall waren übervolle Aschenbecher, Teller und alte Zeitungen. Und er hat sich mit mir nur über seinem Flug unterhalten, obwohl wir eigentlich über andere Dinge sprechen wollten. Einmal La Gomera umrunden wolle er, erzählte er mir und ich sagte ihm, wenn er nicht fit sei, dann könne er den Flug auch nicht machen. Doch er sagte mir, es wäre alles in Ordnung, sein Arzt habe ihm gerade grünes Licht gegeben und ich solle mir keine Gedanken machen.

F: War er da krank? Es gab ja Gerüchte über eine Hepatitis-C-Erkrankung.

Korff: Davon weiß ich nichts. Charly war hauptsächlich Diabetiker und musste sich am Ende vier Mal täglich zwei Sorten Insulin spritzen. Er hatte wohl auch noch einige andere Gebrechen oder Krankheiten, aber darüber weiß ich kaum etwas Konkretes und er selbst sprach davon auch nicht gerne freiwillig. Aber dass er einsam war, das konnte man unschwer bemerken. Aus heutiger Sicht denke ich, es muss eine ähnliche Einsamkeit gewesen sein, wie sie viele große Geister oft gespürt haben. Einsam im Erfolg, dabei auch enttäuscht von Menschen und doch selbst unfähig den Schritt auf die Welt zuzugehen, der notwendig ist, um wieder fest in sie einzutauchen.

F: Wie hat Sie selbst das Leben mit Charly verändert? Sie waren ja ein Vierteljahrhundert miteinander verheiratet.

Korff: Ich habe ziemlich profitiert, von diesen Energien, dieser Kraft, die er hatte. Ja, auch von seiner Menschensicht, die grundmoralisch war. Und natürlich von dem Geld, dass er für uns verdient hat. Seinen Töchtern und mir hat er stets das Gefühl gegeben, nein, den Glauben gegeben, dass jeder Mensch eine poetische Möglichkeit hat, sich auszudrücken. Ganz egal, ob diese Möglichkeit zu verwirklichen ist.

F: Was, glauben Sie, würde Charly Davidson heute machen, wenn er noch lebte?

Korff: Für mich, für seine Töchter, für viele Menschen, lebt Charly weiter. In seinem Werk. Und es gibt ja auch ganz aktuell Leute, wie Das gezeichnete Ich, den wir von Anfang an und über viele Jahre begleitet haben und der nun endlich seine erste Platte herausbringen konnte, die führen seine Arbeit weiter. Wäre Charly noch da, auf dieser Welt, dann wäre er sicher weiter seinen Weg gegangen. Unkonventionell genial. Ich weiß nicht, ob er heute immer noch Musik machen würde. Aber er hätte sicher versucht, etwas zu machen, was mit seinem Spaß am Denken, Fühlen, Analysieren zu tun hat. Ein Leben ohne künstlerisches Arbeiten hätte ihn bestimmt nicht interessiert.


Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Magazins FOUCAULT © 2010. Private Fotos der Hochzeit von Roberte Soares und Caroline Korff veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Frau Caroline Soares-Korff © 2007

Mittwoch, 9. Juni 2010

2004-09-22 | Charly Davidson: DAS LIEBES-GESTÄNDNIS

Jetzt hat das Getuschel ein Ende... Rocklegende Charly Davidson (46) und die Kommunikationstrainerin Ursula Maus (46) reden Klartext: DAS LIEBES-GESTÄNDNIS

ZEITUNG: Frau Maus, welche Art der Beziehung führen Sie mit Charly Davidson?

Ursula Maus: Seit Ende 2003 sind wir ein Paar und das haben wir auch unseren Familien so mitgeteilt. Wir sind seitdem unzertrennlich und wohnen auch zusammen. Ich bin nicht die Geliebte, wie so oft geschrieben, sondern die offizielle Freundin von Charly.

ZEITUNG: Aber Charly Davidson ist doch seit 1979 mit Sabine (45) verheiratet ...

Ursula Maus: Ich war nie die böse Hexe, die der Ehefrau den Mann wegnimmt. Charly hat zu seiner Frau noch eine freundschaftliche Beziehung - aber nicht mehr. Er war ja auch kaum mehr zu Hause und hat ja schon eine eigene Wohnung bezogen. Charly hat mir auch erklärt, dass er sehr einsam ist und im Grund sein eigenes, unabhängiges Leben führt. Ich möchte nie mit jemandem zusammen sein, der seinen Partner einfach fallen lässt. Es ist ja noch immer teilweise schwierig und belastend.

Charly Davidson: Es ist keine Frage, dass ich persönlich eines der selbstsüchtigsten Dinge getan habe, die man überhaupt tun kann: Ich habe jemanden sehr verletzt. Und natürlich übernehme ich die Verantwortung für alles, was ich getan habe. Ich hasse und bedaure es, dass Menschen verletzt wurden. Aber ich bedauere nicht das Ergebnis.

ZEITUNG: Wie lernten Sie sich kennen?

Ursula Maus: Kennengelernt haben wir uns 2000 auf einer Veranstaltung von Wirtschaftsminister Ulrich D. Müller in Berlin. Wir sind beide ja Mentoren der Teaminitiative "Einfach Zuhören" von Ulrich Müller. Richtig nähergekommen sind wir uns aber erst vor gut einem Jahr. Ich hatte da gerade eine lange Trauerphase nach einer Trennung. Ich war am Ende, wusste nicht mehr weiter. Ich konnte mit Charly aber über alles sprechen: Leben, Tod, Verlust, Schmerz. Dann gab es den Moment, als wir uns verabschiedet haben: Er hat nichts gesagt, nur seine Hand auf sein Herz gelegt. Da ist der Funke übergesprungen.

Charly Davidson: Ich weiss nicht, was mir die Zukunft bringt, aber ich weiss, dass Uschi darin vorkommt. Es war zwischen uns alles sehr von Emotionen gesteuert, aber meine Ehe war aus dem Gleichgewicht, ich war aus dem Gleichgewicht. Es fehlte einfach etwas in meinem Leben. Aber als verheirateter Mann habe ich niemals gedacht, dass das, was ich da in Bezug auf Uschi tat, in Ordnung sei. Nur, was sollte ich dagegen tun?

ZEITUNG: Frau Maus, was lieben Sie an Charly Davidson?

Ursula Maus: Es gibt so viele Augenblicke, in denen wir uns so ähnlich sind. In der Sprache, in den Gedanken. Er sagt immer: "Du bist ein Alter Ego und ich bin dein alter Egoist." Ich fühle mich mit ihm zum ersten Mal nicht alleine auf der Welt.

Charly Davidson: Trotzdem ist es heftig, zu hören, das uns jemand Ehebrecher nennt, weil wir beide angeblich perfekte, glückliche Ehen ruiniert hätten. Inzwischen habe ich all das hinter mir gelassen und ich hoffe, dass es in Zukunft so etwas wie Vergebung und Akzeptanz für uns beide geben kann.

ZEITUNG: Welche Pläne haben Sie?

Ursula Maus: Wir wollen heiraten und das so schnell wie möglich. Aber dazu muss Ruhe und Harmonie einkehren, auch innerhalb der beiden Familien. Ich glaube, dass seine Familie verstehen wird, dass er den Weg mit mir gewählt hat. Aber es ist nicht so, dass sie mich akzeptieren oder unbedingt kennenlernen wollen.

Charly Davidson: Vielleicht ändert sich das ja noch.


Das Interview führte Peter Nürting © ZEITUNG ONLINE 2004

Mittwoch, 24. Februar 2010

2010-02-24 | Ulrich D. Müller - verfolgt und ausgespäht


"stern"-Enthüllung:

Ulrich D. Müller - verfolgt und ausgespäht

Heimliche Fotos, Observationen, ein manipulierter Briefkasten: Die Firma KRM aus Berlin beschattete den Spitzenpolitiker monatelang nach allen Regeln der Kunst. Auftraggeber der Recherche soll eine Boulevard-Zeitschrift gewesen sein.

Das Privatleben des Spitzenpolitikers sei systematisch ausspioniert worden. Das berichtet der "stern" in seiner neuen, am morgigen Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Dem Bericht zufolge hat eine Berliner Recherchefirma namens KRM seit Mitte 2008 über Monate hinweg immer wieder den ehemaligen SPD-Politiker und Ex-Wirtschaftsminister Ulrich D. Müller beschattet und ausgespäht. Den Auftrag zu den fragwürdigen Recherchen habe man von der Boulevard-Zeitschrift "Die Neue Aktuelle" erhalten, so ein Sprecher der Fa. KRM..

Der "stern"-Bericht stützt sich angeblich auf interne Unterlagen der Firma sowie auf Aussagen ehemaliger Mitarbeiter. Beim ehemaligen SPD-Mann Müller observierten Detektive über Monate dessen damaliges Domizil im Berliner Stadtteil Köpenick, um Details über die Beziehung zu seiner späteren Ehefrau Ursula Maus in Erfahrung zu bringen und heimlich Fotoaufnahmen von beiden zu machen. Bei der Aktion soll auch der Briefkasten Müllers manipuliert worden sein. Außerdem habe man seine Fußmatte mit einem Melder präpariert. Insider-Aussagen legen laut dem Magazin "stern" den Verdacht nahe, dass auf der gegenüberliegenden Straßenseite zudem eine Observationswohnung angemietet wurde. Einmal wurde Müller offenbar sogar auf der stundenlangen Zugfahrt von Berlin nach Dortmund verfolgt. Der Bericht über Müller und seine neue Beziehung erschien samt der Bilder am 27. November 2008 in "Die Neue Aktuelle", dem Tag einer Preisverleihung in Offenburg, bei der Müller und Maus zm ersten Mal öffentlich als Paar auftraten.

KRM (das Kürzel steht für Krake, Ratten und Maus, die Nachnamen der Firmeninhaber) habe auf "stern"-Anfrage inzwischen bestätigt, hinter dem Ex-Wirtschaftsminister her gewesen zu sein. Es habe sich jedoch um journalistisch begründete Jobs gehandelt: "Unsere Recherchemethoden bewegen sich stets im Bereich des presse- und standesrechtlich Zulässigen." Für ihr Büro in Berlin ist jedoch hauptsächlich der Betrieb einer Detektei registriert.

"Die Neue Aktuelle"-Chefredakteurin Manuela Amlacher räumte auf Anfrage des "stern" ein, KRM mit entsprechenden journalistischen Recherchen zum Privatleben des Politikers beauftragt zu haben. Amlacher weiter: "Über unlautere Methoden ist unserer Zeitschrift nichts bekannt."

Doch schon solche Rechercheaufträge sind zweifelhaft. So kritisiert der Chemnitzer Journalistik-Professor Helmuth Zöller im Magazin "stern" insbesondere das Ausspähen: "Das ist berufsethisch eindeutig unzulässig. Das Privat- oder gar Intimleben eines bekannten Politikers hat mit seinem politischen Mandat schlicht nichts zu tun."

Mittwoch, 17. Februar 2010

1991-02-17 | Charly Davidson: Manchmal bin ich eben das Feindbild

Im Februar 1991 erschien in den MUSIKER MUSIC NEWS ein großer Artikel über Charly Davidson inklusive eines Interviews, in dem der Musiker über Rock, Pop, Politik und neue Perspektiven des Musikerlebens sprach. Er wurde dabei interviewt von Sebastian von Loquitz.

Die 80er Jahre seien ein einziger "Langer Marsch" gewesen, hat Charly Davidson jüngst geäußert und damit den großen Vrsitzenden Ma Tse-Tung zitiert, der diesen schon deshalb nicht persönlich miterleben konnte, weil der schon 1976 verstarb.
Heute, im Berliner Hotel Adlon, wo für eine Konferenz am Vormittag mit den Granden seiner Plattenfirma gleich die "Präsidenten-Suite" im höchsten Stockwerk mit präsidialem Blick über das Brandenburger Tor gemietet wurde, wirkt der 33jährige erstaunlich entspannt. Nun ist es später Nachmittag und Davidson schttelt den Kopf über den dekadenten Prunk, klaubt Früchte von der bereitstehenden Silberplatte und steht mir Rede udn Antwort, wobei er sich im Redefluss kaum bändigen lässt. Noch immer freilich kontrolliert er seine Angelegenheiten pedantisch - das mitgebrachte DAT-Tape vom letzten Konzert seiner "Odysseus"-Tour, das ich zuvor demutsvoll in der Sitzecke anhören durften, verschwindet später wieder in der Tasche seines Jacketts.

Davidson: Echt beeindruckend hier, oder?

MMN: Womit hast Du Dich in letzter Zeit beschäftigt?

Ich überlege derzeit, in die neuen Bundesländer zu ziehen. Im Rhein-Main-Gebiet wird es mir seit enigerZeit zu eng. Ich drehe mich dort nur noch um mich selbst.

Aber an der Frankfurter Szene hast Du doch ohnehin nicht teilgenommen.

Überhaupt nicht. Ich war kein richtiger Frankfurter. Ich wohne da seit 1979 und bin seit vier Jahren auch in Hanau sesshaft, aber ich bin in beiden Städten nicht vorgekommen.

Es gab mal eine Pressemitteilung, in der es hieß, mit jungen Techno- und House-Mixern wolltest Du nicht zusammenarbeiten, die kämen ohne Dich besser klar. Weshalb siehst Du das so? schließlich bist Du doch der Inventor der Elektromusik und Vater der Lounge-Musik.

Ich habe alein Interview gegeben, in dem ich mich darauf festgelegt hatte, dass sich Technomusik sich nicht durchsetzen wird. Und ich hoffe immer noch, dass dies so wein wird. Aber ich höre mir technomusik natürlich an. Es hilft mir, die eigenen Stücke mit Distanz zu sehen.

Da aktuelle Album hat mehr elektronischen Sounds als frühere Alben. Weshalb ist das so?

Früher habe ich alles selbst programmiert. Diesmal habe ich mir für den KURZWEIL 250 einen Programmierer gesucht, der mir das so macht, wie ich es haben möchte. Drei Jahre habe ich gesucht und dann habe ich zum Glück über Alex Henninger einen wirklichen profi gefunden. Aber ich mache jetzt ja nicht auf Techno oder House - sondern es ist eine Weiterentwicklung meiner eigenen Musik.

Trotzdem fragt man sich an manchen Stellen, ob da überhaupt noch Deine Band mitspielen durfte.

Ja.

War die Band beleidigt, weil sie an manchem nicht beteiligt war?

Da muss man die Musiker fragen. Natürlich fanden sie das nicht besonders komisch. Andererseits habe ich schon immer Alben als Demoversion zum größten Teil selber eingespielt, früher mit Lukas Linde und heute mit Helmut Prosa.

Kann man in großen Hallen die elektronschen Gimmike und Soundtricks reproduzieren?

Wir arbeiteten bei der Tournee mit Tapes. Die werden eingespielt, das haben wir schon früher gemacht und haben es diesmal etwas ausgeweitet.

Woher kommt der neue Ansatz?

Ich höre grundsätztlich eine völlig andere Musik als meine Band, von Steve Reich, also Minimalmusic bis hin zu Drum'n'Bass. Meine Musiker wollten mit mir übrigens niemals eine Band gründen wie die Beatles, sie sind und bleiben meine Begeitung. Ich habe sie mal danach gefragt und da wollten die nicht. Ich habe ja früher selbst in Bands gesungen und gespielt. Als ich noch erfolglos war, hieß es, ich solle mal zu jemandem fahren und der sollte aus diesem erfolglosen Studenten etwas herausholen. Da habe ich mich lieber auf mich selbst verlassen und bin zu dem geworden, was ich heute bin.

Es heißt, bei Deiner Plattenfira GLOBA gäbe viel Gezänk und Gerüchte um einen Wechsel zu einem anderen Label.

Ich darf Dir exklusiv vermelden, dass wir heute den Vertrag mit der GLOBA verlängert haben.

So schnell geht das?

Nee, das hat lange gedauert. (lacht) Darf ich mal 'ne Zigarette schnorren?

Die sind aber stark.

Kein Problem, ich rauch' ja selbst. Bei der GLOBA findet jetzt auch eine Umstrukturierung statt. Außerdem hat die Firma einen sehr guten Vertrieb und ich habe dort wunderbare Ansprechpartner, mit denen ich gut arbeiten kann. Ich werde auch mein eigenes Label, 1ride auf den Weg bringen, aber zum Vertrieb brauche trotzdem gute Partner. Die musste suchen, die musste erstmal finden. Die Ambition ist, sich so bewegen zu können, wie man es gern möchte - und das auch mit anderen Bands. Und zwar mit längerer Perspektive, was große Plattenfirmen sonst eben nicht mehr leisten. Den Bands wird nicht genügend Zeit gelassen. Ich kann Bands vor zuviel Hysterie schützen.

Du hast vor Jahren gesagt, dass in der Rockmusik die Akzente nicht in Deutschland gesetzt werden. Neuerdings hat sich das gewandelt. Es gibt neue frische Bands. Nehmen die Dich ernst?

Wahrscheinlich. In deren Augen bin ich aber vielleicht eher das Feindbild. Für einige stellen die Etablierten eine Reibungsfläche dar.

Ein Deutschrocker aus Hannover wollte die jungen Talente ja bereits vereinnahmen, aber die haben sich erst über ihn lustig gemacht und dann gewehrt. Wie siehst Du das?

Also, ich kene ja nur einen Deutsch-Rock-Musiker aus Hannover ...

... ich auch ...

... aber das interessiert mich eigentlich nicht. Es gibt da in der Szene sicher Leute, da schlafen dir die Socken ein. Ich kann nicht sagen, wie der sich das vielleicht gedacht hat, aber für die neuen jungen Wilden stehen wir da als Kolosse und an denen kann man sich gut reiben.


Und wie ist der Stand der Kolosse? Ihr habt Euch doch auch immer politisch engagiert: Wackersdorf, Gorleben, die dritte Welt?

Wackersdorf war ein Desaster, da ist die Szene der 80er Jahre eingebrochen. Das war ein einziges überhebliches Desaster, bei dem die Kolosse gezeigt haben, auch ich, dass wir nicht in der Lage dazu waren, ein Konzert zu organisieren, bei dem Geld für de Konzertzweck übrig bleibt. Ich schäme ich heute noch deshalb und, ja, im bertragenen Sinne gabe es auch Mord und Totschlag hinter den Kulissen. Das war der Abgesang auf alles Poltische. Ich hab mich dummerweise breitschlagen lassen, da zu spielen und den Leuten, die gekomme waren auch etwas zu sagen. Aber dann ging Fritz Egner auf mich zu, der die Moderatio machte, und sagte zu mir, ich solle nicht politisch werden. Da dachte ich, ich sei beim falschen Konzert, aber gehen konnte ich ja nicht mehr, es warteten ja alle auf meinen Gig. Richtig eklig wurde es aber erst später: Ich saß bei der Plattenfirma und sah dort eine Video-Kassette mit einem Konzertmitschnitt und die war in einer Hülle mit dem Lufthansa-Engel drauf. "Wer hat das freigegeben?" fragte ich. "Wir, die Plattenbosse.", war dei Antwort und ich dachte mir, das kann ja wohl nicht angehen, dass die das Konzert ohne mich und die anderen zu fragen an die Lufthansa verscheuern!

Und was hast Du unternommen?

Ich hab das über meine Anwälte alles wieder einziehen lassen. Die Plattenbosse waren zu feige zuzugeben, dass sie die Künstler des Konzertes nicht gefragt hatten. Da bekam ich den ganzen Dreck ab Schmähbriefe von Möchtegern-Sponsoren, Protestnoten von Goethe-Instituten und irgendein Politiker forderte, ich solle das Land verlassen. Das mache ich jetzt auch und gehe in die neuen Fünf-Länder.


"Odysseus" ist schärfer formuliert als andere Alben von Dir in der Vergangenheit. Weshalb?

Ich habe da sprachlich eine neue Form versucht. Die ist viel offener und metaphorischer. Ich kommentiere die Zeit heute, aber dennoch ist es wie ein Album zur Wende. Es geht im Grunde darum, wie sich das Individuum im Kontext verhält. Der Mensch hat sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Ob das zur Erneuerung oder zum Ausbruch von Unruhen führen wird, da darf man gespannt sein und nach rechts wie links schauen. Mich interessieren die Parteien nicht mehr, viele interessieren sich nicht mehr für die Parteien. Selbst nicht, wenn die Landschaften wie versprochen blühen sollten. Ich glaube, dass es wieder eine große außerparlamentarische Opposition in Deutschland gibt. Es gibt eine kollektive Wut.

Wie hast Du als Musiker früher den Osten erlebt?

Ich habe mich vor der Wende immer geweigert, im Osten zu spielen. Die haben uns immer eingeladen. Aber ich bekam viel Post von Jugendlichen, die schrieben: "Spiel hier bitte nicht, wir kriegen nie 'ne Karte." Die ersten Konzerte nach der Wende haben wir in Berlin gespielt ...

... und Du warst überrascht, dass alle die Texte auswendig konnten.

Ja, das ist wie der erste Flirt. Die kannten mich natürlich besser als ich sie. Man ist ganz perplex. Die Gefühle, die einem bei solch einer ersten Begegnung entgegengebracht werden, sind ganz unmittelbar und frisch. Ich finde, die Menschen in Osten sind, was Kultur anbelangt, viel gebildeter als wir, denn für sie war Kultur ein Überlebenselixier. Für uns kommt Kultur nur zwischen anderen Aktivitäten und vor allem dann, wenn sie nicht stört.

Wie geht es künstlerisch weiter mit Dr? Wie groß ist die Verantwortung nach acht erfolgreichen Alben?


Mit der "Korff Musik" sind es sogar neun, aber das ist nicht das Thema. Eine Plattenfirma ist für ihre Größe und Struktur selbst verantwortlich. Ich bin kein Angestellter, ich mach keine Auftrags-Produktionen. Natürlich will man gemeinsam mit einer Platte Erfolg haben. Aber ich muss die Musik machen dürfen, wie ich es will. Ich weiß, welche meiner Songs Mist sind, die laufen aber mir nach, nicht der GLOBA.

Wie wird das zehnte Album sein?

Wenn es nach mir ginge, dann ist es ein Livemitschnitt meiner diesjährigen Tour als Karl David Korff. Du weißt ja vielleicht, dass die hautsächlich durch die neuen Bundesländer führen wird und "Gute Aussichten" heißt. Das is 'ne sperrige Nummer, die erfüllt keine Hörgewohnheiten, die ist so eigensinnig und speziell. Diese Platte, gerade auch die neuen Songs, sind für meie Zuhörer zunächst mal wahrscheinlich eine Irritation. Aber ich muss doch das Gefühl haben, dass ich mich entwickle. Natürlich sage ich Dir aber schon jetzt: "Die neue Scheibe wird ein Riesen-Hit!" (lacht)

Man kann es einfacher haben.

Kann man, aber das was ich hier gerade erzählt habe, beschreibt am präzisesten, worum es mir künstlerisch geht. Ich hatte mal ein Gespräch mit einem deutsch-türkischen Fan, der sagte mir: "Vor dir war alles langweilig und jetzt mir dir ist alles anders." Das habe ich mir gemerkt und das könnte auch eimal der Titel einer Biografie werden: "Mit mir war alles anders".

Gibt es noch Diskussionen um so eine neue Platte?

Ich verbitte mir das nicht, aber ich weiß, mit wem ich darüber rede. Ich sage ja nicht, ich wüsste Bescheid. Aber bei dieser Tour und der zehnten Platte bin ich mir relativ sicher. Ich nehm mir noch 'ne Zigarette.

Also gibt es demnächst "Gute Aussichten" mit Dir..

So wird es sein.

Montag, 8. Februar 2010

2010-02-08 | U-MA wurde verkauft

Der BÖRSE ONLINEDIENST berichtet auf seiner Seite "Aktuelle Meldungen":

Überraschung vor dem Hintergrund von Steuerhinterziehungs-Vorwürfen: "U-MA media", die Firma der Gattin von Ulrich D. Müller, ist am Wochenende überraschend verkauft worden. Die Kommuniationsexpertin und der Ex-Wirtschaftsinister haben "U-MA media" an die "Beta Invest Group Corporation" aus Moskau verkauft. Hinter der "BIG" sollen die russischen Geschäftsmänner Sergej Blawatnik (40) und Timofei Golovkin (36) stehen. Auf der Webseite www.u-ma.me ist heute hierzu zu lesen:

"Der Verkauf ist erfolgt - bald geht es weiter... Liebe Kunden, wir möchten uns sehr für Ihre Treue bedanken. Zu Ihrer Information finden Sie hier einen Auszug aus unserer Pressemeldung vom 07. Februar 2010 zur Zukunft von U-MA: »Die russische "Beta Invest Corporation"-Gruppe hat sich in einem Bieterverfahren alle Anteile an "U-MA media" und die Rechte an der Marke "U-MA" gesichert. Ein entsprechender Kaufvertrag wurde am heute [07. Februar 2010] nach Zustimmung des Aufsichtsrates des Unternehmens unterzeichnet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Des Weiteren konnte sich die "Beta Invest Group Corporation" bei der Verwertung der von "U-MA media" in Deutschland gehaltenen Markenrechte mit dem besten Angebot gegen ihre Konkurrenten durchsetzen. Diese Markenrechte gehen so bald als möglich nach Prüfung durch die Kartellbehörden auf die "Beta Invest Corporation"-Gruppe über.

gez. Dr. Ursula Maus, gez. Ulrich D. Müller«


Müller war erst im letzten Jahr als Geschäftspartner seiner Ehefrau bei deren 2003 gegründeter Firma "U-MA media" (U-MA ist eine Abkürzung für Ursula Maus) eingestiegen. In den letzten Tagen gab es Meldungen über eine vor Jahren durch Maus erfolgte Firmengründung namens "U-MA Ltd." auf der Inselgruppe der Seychellen und Durchsuchungen der "U-MA" Frmenräume sowie des Müller/Maus-Anwesens durch die Berliner Steuerfahnung. Wie es mit den etwa achtzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von "U-MA" weitergehen wird, soll auf einer Personalversammlung am Nachmittag bekannt gegeben werden.